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US-Zölle setzen Schweizer Tech-KMU unter Margendruck

  • vor 22 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Die Schweizer Tech-Industrie wächst wieder – doch viele KMU spüren davon wenig. Gleichzeitig verteuert ein höherer US-Zoll Schweizer Produkte gegenüber Konkurrenz aus der EU. Für exportierende Unternehmen wird die Kalkulation damit zur strategischen Aufgabe.


Die Erholung kommt bei den KMU nicht an


Gemäss der am 24. August veröffentlichten Halbjahresbilanz von Swissmem stiegen die Umsätze der Schweizer Tech-Industrie im ersten Halbjahr 2026 gegenüber der Vorjahresperiode um 2,5 Prozent. Getragen wurde das Wachstum jedoch fast ausschliesslich von Grossunternehmen.


Die Umsätze der KMU sanken im gleichen Zeitraum um 3,8 Prozent. Die Auftragseingänge erhöhten sich zwar um 12,1 Prozent, Swissmem verweist dabei aber auf den tiefen Vergleichswert des Vorjahres. Von einer breit abgestützten Erholung kann deshalb noch nicht gesprochen werden.


US-Exporte verlieren weiter an Boden


Die Güterexporte der Schweizer Tech-Industrie erreichten im ersten Halbjahr 2026 laut Swissmem einen Wert von CHF 34,5 Milliarden. Insgesamt entspricht das einem Plus von 1,7 Prozent.


Die Entwicklung unterscheidet sich stark nach Absatzmarkt: Die Ausfuhren in die EU stiegen um 3,4 Prozent und jene nach Asien um 0,9 Prozent. Die Exporte in die USA gingen dagegen um 5,3 Prozent zurück.


Bereits 2025 hatte die Branche im US-Geschäft laut Swissmem gegenüber dem Vorjahr Exportvolumen von rund CHF 1 Milliarde verloren. Der neue Zollnachteil trifft somit auf einen Markt, der schon zuvor rückläufig war.


Schweizer Produkte sind gegenüber der EU im Nachteil


Seit Ende Juli 2026 erheben die USA auf Güter der Schweizer Tech-Industrie einen Zollsatz von 12,5 Prozent. Für entsprechende Produkte aus der Europäischen Union beträgt der Satz 10 Prozent. Schweizer Anbieter starten damit mit einem Kostennachteil von 2,5 Prozentpunkten.


Gemäss einer Swissmem-Umfrage können 42 Prozent der Mitgliedfirmen diese Differenz derzeit gerade noch verkraften. Deutlich mehr als ein Drittel muss amerikanischen Kunden preislich entgegenkommen, um sie zu halten. Weitere 17 Prozent tragen den Zollnachteil selbst, um im US-Markt bleiben zu können.


Sollte die Differenz zur EU auf fünf Prozentpunkte steigen, wäre das US-Geschäft für fast die Hälfte der befragten Firmen ernsthaft gefährdet. Bei 7,5 Prozentpunkten steigt dieser Anteil laut Swissmem auf 58 Prozent. Hintergrund ist eine laufende US-Untersuchung zu angeblichen industriellen Überkapazitäten, aus der weitere Zölle entstehen könnten.


Die Margen lassen wenig Spielraum


Die Zölle treffen eine Branche, deren finanzielle Reserven bereits unter Druck stehen. Nach Angaben von Swissmem schreibt ein Viertel der Firmen negative EBIT-Margen. Weitere 29 Prozent erwirtschaften kaum genug, um ihre Kapital- und Forschungs- sowie Entwicklungskosten zu decken.


Damit wird der Zoll nicht nur zu einer Frage des Verkaufspreises. Wenn Unternehmen die Belastung selbst übernehmen, fehlen Mittel für Investitionen, Automatisierung und Innovation. Werden die Kosten vollständig weitergegeben, drohen Auftragsverluste an europäische Wettbewerber.


Was exportierende Unternehmen jetzt prüfen sollten


  • Die Marge pro US-Kunde und Auftrag neu kalkulieren – inklusive Zoll, Logistik, Währung und kundenspezifischer Rabatte.

  • Szenarien für eine Zolldifferenz von fünf und 7,5 Prozentpunkten rechnen und klare Abbruch- oder Neuverhandlungsgrenzen definieren.

  • Verträge, Lieferbedingungen und Verantwortlichkeiten für Einfuhrabgaben bei neuen Angeboten eindeutig festhalten.

  • Zolltarifnummern, Ursprungsnachweise und Produktklassifikationen überprüfen, damit keine vermeidbaren Mehrkosten entstehen.

  • Vertriebsressourcen auf alternative Absatzmärkte ausrichten, ohne bestehende US-Kunden vorschnell aufzugeben.

  • Liquiditäts- und Investitionsplanung daran anpassen, wie viel Zollbelastung das Unternehmen vorübergehend selbst tragen kann.


Die modernisierte Freihandelsvereinbarung mit China kann mittelfristig neue Chancen schaffen, ist jedoch noch nicht unterzeichnet oder in Kraft. Sie ersetzt deshalb keine kurzfristige Antwort auf den Margendruck im US-Geschäft.


Die entscheidende Frage ist nicht nur der Umsatz


Steigende Auftragseingänge und ein leichtes Umsatzplus können überdecken, dass kleine und mittlere Unternehmen Marktanteile oder Marge verlieren. Für Unternehmer zählt deshalb nicht allein, ob das US-Geschäft weiterläuft, sondern ob es nach Zoll, Rabatten und Währungsrisiken noch ausreichend zur Finanzierung der Zukunft beiträgt.


Wer diese Rechnung früh und auf Kundenebene macht, kann Preise, Märkte und Kapazitäten gezielter steuern. Wer nur auf politische Entlastung wartet, riskiert, dass der Zollnachteil schleichend die Investitionsfähigkeit schwächt.

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