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Schweizer Arbeitsmarkt wächst – Fachkräfte bleiben knapp

  • vor 15 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Der Schweizer Arbeitsmarkt wächst weiter: Im zweiten Quartal 2026 zählten die Unternehmen 5,698 Millionen Beschäftigte. Gleichzeitig stiegen die gemeldeten offenen Stellen auf 98’700. Hinter den positiven Gesamtzahlen verbirgt sich jedoch ein zunehmend ungleicher Arbeitsmarkt.


111’800 zusätzliche Stellen innert eines Jahres


Gemäss dem am 27. August 2026 veröffentlichten Beschäftigungsbarometer des Bundesamtes für Statistik (BFS) nahm die Beschäftigung ohne Landwirtschaft gegenüber dem zweiten Quartal 2025 um 111’800 Stellen oder 2,0 Prozent zu.


Auf Vollzeitäquivalente umgerechnet wuchs das Beschäftigungsvolumen um 82’700 Stellen beziehungsweise 1,9 Prozent auf 4,435 Millionen. Saisonbereinigt lag die Beschäftigung 0,5 Prozent über dem Vorquartal.


Den grössten absoluten Zuwachs verzeichnete der Dienstleistungssektor. Dort entstanden innert Jahresfrist 98’700 zusätzliche Stellen, ein Plus von 2,2 Prozent. Industrie und Bau legten um 13’100 Stellen oder 1,2 Prozent zu.


Offene Stellen steigen – besonders in Industrie und Bau


Die Unternehmen meldeten dem BFS insgesamt 98’700 offene Stellen. Das waren 2’600 oder 2,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Entscheidend ist die Verteilung: In Industrie und Bau stieg die Zahl der offenen Stellen um 21,8 Prozent, während sie im Dienstleistungssektor um 2,4 Prozent zurückging.


Die Quote offener Stellen betrug über alle Branchen 1,7 Prozent. Im zweiten Sektor lag sie mit 2,1 Prozent klar höher als im Dienstleistungssektor mit 1,6 Prozent.


Jedes dritte Unternehmen meldet Rekrutierungsprobleme


Gewichtet nach Beschäftigtenzahl berichteten 33,9 Prozent der Unternehmen von Schwierigkeiten bei der Rekrutierung qualifizierter Arbeitskräfte. Gegenüber dem Vorquartal stieg der Anteil um 0,4 Prozentpunkte. Sowohl in Industrie und Bau als auch im Dienstleistungssektor verschärfte sich die Lage.


Für Arbeitgeber bedeutet das: Der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte bleibt hoch, obwohl die Konjunktur in einzelnen Branchen verhalten ist. Besonders technische, industrielle und handwerkliche Betriebe sollten nicht davon ausgehen, dass sich die Besetzung kritischer Funktionen kurzfristig automatisch erleichtert.


Warum andere Stellenmarkt-Zahlen schwächer aussehen


Der Adecco Group Swiss Job Market Index zeichnete für das zweite Quartal ein vorsichtigeres Bild. Die Zahl der online ausgeschriebenen Stellen sank demnach gegenüber dem Vorquartal um 2,4 Prozent und lag im Jahresvergleich nahezu unverändert bei minus 0,2 Prozent.


Das ist kein direkter Widerspruch zu den BFS-Zahlen. Das BFS misst den Beschäftigungsbestand und von Unternehmen gemeldete offene Stellen. Der Adecco-Index analysiert ausgeschriebene Stelleninserate. Eine Stelle kann mehrfach, verzögert oder gar nicht öffentlich inseriert werden. Zudem reagieren Inserate schneller auf veränderte Rekrutierungspläne als der gesamte Personalbestand.


Zusammen zeigen die beiden Datensätze deshalb einen Arbeitsmarkt, der insgesamt weiter wächst, bei Neueinstellungen aber selektiver und je nach Berufsfeld deutlich unterschiedlicher wird.


Was das für Schweizer Unternehmen bedeutet


  • Personalplanung nach Funktion und Branche vornehmen – nicht anhand der positiven Gesamtzahl.

  • Bei technischen und handwerklichen Schlüsselrollen längere Rekrutierungszeiten einplanen.

  • Bestehende Mitarbeitende gezielt halten und intern weiterentwickeln, bevor Engpässe entstehen.

  • Stellenprofile und Auswahlprozesse vereinfachen, wenn Anforderungen nicht zwingend geschäftskritisch sind.

  • Lohn, Flexibilität und Entwicklungsmöglichkeiten mit dem tatsächlichen Bewerbermarkt vergleichen.


Die kurzfristigen Aussichten bleiben positiv


11,3 Prozent der befragten Unternehmen kündigten für die kurze Frist einen Stellenaufbau an. 3,9 Prozent rechneten mit einem Abbau. Im Vorquartal hatte der Anteil der Unternehmen mit Abbauplänen noch bei 4,8 Prozent gelegen.


Die Hauptaussage für Unternehmer ist damit klar: Der Schweizer Arbeitsmarkt ist nicht eingebrochen. Er wird aber fragmentierter. Wer Fachkräfte sucht, muss stärker nach Branche, Funktion und Region unterscheiden – und darf aus steigender Gesamtbeschäftigung nicht auf eine einfachere Rekrutierung schliessen.

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