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Swisscom steigert Gewinn trotz sinkendem Umsatz

6. Aug.
7 Min. Lesezeit
Swisscom hinter Sparschwein

Swisscom hat im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 7,221 Milliarden Franken erzielt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Rückgang von 3,0 Prozent.


Gleichzeitig stieg das operative Ergebnis nach Leasingaufwand, der sogenannte EBITDAaL, um 3,3 Prozent auf 2,557 Milliarden Franken. Der Reingewinn erhöhte sich um 6,9 Prozent auf 668 Millionen Franken.


Die Zahlen zeigen eine für Unternehmer entscheidende Entwicklung:

Swisscom wächst aktuell nicht über mehr Umsatz, sondern vor allem über eine effizientere Kostenstruktur und die Integration von Vodafone Italia.

Besonders stark entwickelte sich der Cashflow. Der operative freie Geldfluss stieg um 21,6 Prozent auf 1,202 Milliarden Franken. Der Free Cashflow legte sogar um 44,6 Prozent auf 717 Millionen Franken zu.


Faktenblock

  • Unternehmen: Swisscom AG

  • Zeitraum: Januar bis Juni 2026

  • Konzernumsatz: CHF 7,221 Mrd.

  • Umsatzentwicklung: –3,0 %

  • Bereinigte Umsatzentwicklung bei konstanten Währungen: –2,0 %

  • EBITDAaL: CHF 2,557 Mrd.

  • EBITDAaL-Wachstum: +3,3 %

  • Bereinigtes Wachstum bei konstanten Währungen: +3,7 %

  • Reingewinn: CHF 668 Mio.

  • Gewinnwachstum: +6,9 %

  • Operativer Free Cashflow: CHF 1,202 Mrd.

  • Entwicklung operativer Free Cashflow: +21,6 %

  • Free Cashflow: CHF 717 Mio.

  • Free-Cashflow-Wachstum: +44,6 %

  • Investitionen: CHF 1,355 Mrd.

  • Entwicklung der Investitionen: –8,8 %

  • Mitarbeitende: 22’761 Vollzeitstellen

  • Veränderung gegenüber dem Vorjahr: –737 Vollzeitstellen beziehungsweise –3,1 %

  • Synergien aus der Integration in Italien: EUR 166 Mio.

  • Synergie-Ziel 2026: mehr als EUR 300 Mio.


Weshalb der Umsatz sinkt bei Swisscom

Der Umsatzrückgang betrifft sowohl das Schweizer als auch das italienische Geschäft.

In der Schweiz sank der Umsatz um 0,7 Prozent auf 3,870 Milliarden Franken. Die Einnahmen aus Telekommunikationsdiensten gingen um 2,1 Prozent zurück. Auch das IT-Geschäft mit Geschäftskunden verzeichnete ein Minus von 2,0 Prozent.


In Italien sank der Umsatz in Euro um 3,3 Prozent auf 3,474 Milliarden Euro. Die Einnahmen aus Telekommunikationsdiensten gingen dort um 3,6 Prozent zurück.

Hinzu kam ein negativer Währungseffekt. Der durchschnittliche Euro-Wechselkurs lag im ersten Halbjahr 2,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dadurch reduzierte sich der ausgewiesene Konzernumsatz um 78 Millionen Franken.


Der Rückgang zeigt, dass das klassische Telekommunikationsgeschäft weiterhin unter Druck steht.


Preiskonkurrenz, gesättigte Märkte und sinkende Einnahmen aus älteren Festnetz- und Telefonieangeboten begrenzen das Wachstum.

Swisscom muss deshalb mehr Ergebnis aus einem stagnierenden oder leicht schrumpfenden Kerngeschäft herausholen.


Vodafone Italia wird zum wichtigsten Ergebnistreiber

Swisscom übernahm Vodafone Italia Ende 2024 für acht Milliarden Euro und führte das Unternehmen mit der bestehenden italienischen Tochter Fastweb zusammen. Die neue Einheit tritt als Fastweb + Vodafone auf.


Im ersten Halbjahr 2026 erzielte die Integration bereits 166 Millionen Euro an Synergien.


Bis Ende des Jahres sollen es mehr als 300 Millionen Euro werden.


Diese Synergien entstehen unter anderem durch:

  • gemeinsame Netzinfrastruktur

  • weniger doppelte Systeme

  • gebündelte Beschaffung

  • gemeinsame Verkaufs- und Supportstrukturen

  • tiefere Verwaltungs- und Betriebskosten

  • die Zusammenführung von Technologieplattformen


Das bereinigte EBITDAaL des Italien-Geschäfts stieg dadurch um 11,8 Prozent auf 926 Millionen Euro.


Der bereinigte operative Free Cashflow in Italien erhöhte sich auf 329 Millionen Euro und damit auf mehr als das Doppelte des Vorjahreswerts.


Die Übernahme beginnt sich wirtschaftlich auszuzahlen

Der Kauf von Vodafone Italia veränderte Swisscom grundlegend.

Vor der Transaktion war Italien ein zusätzliches Wachstumsfeld.

Heute ist Italien neben der Schweiz der zweite Kernmarkt des Konzerns.

Die wirtschaftliche Logik der Übernahme zeigt sich nun deutlicher:

Swisscom kauft nicht nur zusätzliche Kunden und Umsatz.


Der Konzern kombiniert zwei bestehende Telekommunikationsanbieter, um Kosten zu reduzieren und die gemeinsame Infrastruktur besser auszulasten.

Das ist ein entscheidender Unterschied.


Eine Übernahme schafft nicht automatisch Wert, nur weil das übernommene Unternehmen gross ist.


Wert entsteht erst, wenn nach dem Kauf:

  • doppelte Kosten verschwinden

  • Kunden gehalten werden

  • Prozesse zusammengeführt werden

  • Investitionen effizienter eingesetzt werden

  • gemeinsame Produkte entstehen

  • der Cashflow steigt


Genau bei diesen Punkten liefert Swisscom erste messbare Resultate.


Der Cashflow steigt stärker als der operative Gewinn

Besonders auffällig ist die Entwicklung des Cashflows.

Der EBITDAaL stieg um 3,3 Prozent.

Der operative Free Cashflow legte jedoch um 21,6 Prozent zu.


Dafür gibt es zwei zentrale Gründe:

Erstens erwirtschaftete das Italien-Geschäft deutlich mehr operativen Cashflow.

Zweitens reduzierte Swisscom die Investitionen im ersten Halbjahr um 8,8 Prozent auf 1,355 Milliarden Franken.


Weniger Investitionen verbessern kurzfristig den Cashflow.

Das ist grundsätzlich positiv, darf aber nicht isoliert betrachtet werden.

Ein Telekommunikationskonzern muss seine Netze kontinuierlich modernisieren. Zu geringe Investitionen könnten langfristig die Qualität und Wettbewerbsfähigkeit belasten.


Swisscom führt den Rückgang teilweise auf saisonale Effekte sowie tiefere Ausgaben in der Schweiz und Italien zurück. Die Investitionen in Italien enthielten zudem weiterhin Integrationskosten von 47 Millionen Euro.


Das Schweizer Kerngeschäft bleibt unter Druck

Swisscom konnte im Schweizer Geschäft mehr als die Hälfte des Ergebnisdrucks aus sinkenden Telekommunikationserträgen durch Kostenmassnahmen kompensieren.

Das bereinigte EBITDAaL stieg leicht um 0,6 Prozent.


Trotzdem zeigen mehrere Kundenzahlen, dass sich klassische Telekommunikationsangebote strukturell verändern:

  • Breitbandanschlüsse Schweiz: –2,1 %

  • TV-Anschlüsse: –2,7 %

  • Festnetztelefonie: –7,9 %

  • Mobilfunk-Vertragsanschlüsse: +0,1 %.


Das Mobilfunkgeschäft bleibt weitgehend stabil.

Festnetztelefonie und klassische Anschlüsse verlieren dagegen weiter an Bedeutung.

Swisscom versucht deshalb, zusätzliche Erträge aus IT-Dienstleistungen, Cloud, Cybersecurity, künstlicher Intelligenz, Unterhaltung und digitalen Geschäftslösungen zu erzielen.


Diese Transformation ist für viele etablierte Unternehmen relevant:

Das alte Kerngeschäft finanziert den Wandel.

Gleichzeitig darf das Unternehmen den Wandel nicht so lange hinauszögern, bis das alte Geschäft zu schnell schrumpft.


Swisscom baut einen neuen Standort in Lissabon auf

Swisscom kündigte gleichzeitig einen neuen Standort in Lissabon an.

Ab 2027 sollen dort zunächst rund 40 Mitarbeitende tätig sein. Mittelfristig soll der Standort auf ungefähr 200 Mitarbeitende wachsen.


Geplant sind ausgewählte Dienstleistungen in den Bereichen:

  • IT

  • Softwareentwicklung

  • Finanzen

  • weitere Technologie- und Geschäftsfunktionen.


Swisscom betreibt bereits vergleichbare Standorte in Riga und Rotterdam.

Der neue Standort soll die langfristige Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Für den Schweizer Arbeitsmarkt besitzt die Entscheidung jedoch auch eine kritische Seite.


Während Swisscom im Ausland zusätzliche Stellen aufbaut, sank die Zahl der Vollzeitstellen im Konzern um 737. In der Schweiz waren es gemäss Medienmitteilung 848 Vollzeitstellen weniger als ein Jahr zuvor.

Der detaillierte Halbjahresbericht weist für das operative Segment Schweiz einen Rückgang von 599 Vollzeitstellen aus. Die Abweichung erklärt sich daraus, dass die Medienmitteilung sämtliche in der Schweiz beschäftigten Konzerneinheiten betrachtet, während die Segmentzahl enger abgegrenzt ist.

Der Trend bleibt dennoch klar:

Swisscom verschiebt Teile der Wertschöpfung in kostengünstigere europäische Standorte.


Neue Führung für das Schweizer Geschäft

Swisscom passt auch die Führungsstruktur an.


Ab dem 1. Januar 2027 wird Dirk Wierzbitzki CEO von Swisscom Schweiz. Rolf Stettler übernimmt die Funktion des CFO für das Schweizer Geschäft.

Konzernchef Christoph Aeschlimann bleibt für die strategische Führung der beiden Kernmärkte Schweiz und Italien verantwortlich.


Die neue Struktur trennt stärker zwischen:

  • operativer Führung des Schweizer Geschäfts

  • operativer Führung in Italien

  • strategischer Führung des Gesamtkonzerns


Das ist eine direkte Folge der Vodafone-Übernahme.

Swisscom ist inzwischen zu gross und geografisch komplex, um das Schweizer Tagesgeschäft und die gesamte Gruppenstrategie in derselben Führungsrolle gleich stark zu steuern.


Für Unternehmer zeigt sich hier ein typisches Wachstumsmuster:

Ab einer bestimmten Unternehmensgrösse wird eine neue Führungsebene notwendig.

Der Gründer oder CEO darf nicht dauerhaft jede operative Entscheidung selbst treffen, wenn er gleichzeitig Strategie, Expansion und Transformation führen soll.


Was du als Unternehmer aus den Swisscom-Zahlen lernen kannst


1. Umsatzwachstum ist nicht die einzige Form von Wachstum

Swisscom erzielt weniger Umsatz und trotzdem mehr Gewinn und Cashflow.

Das ist möglich, weil Kosten sinken und die übernommenen Unternehmen effizienter zusammengeführt werden.

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht nur:

Wie steigern wir den Umsatz?

Sondern auch:

Wie viel Ergebnis und Liquidität erzeugen wir aus jedem Franken Umsatz?


2. Synergien müssen vor der Übernahme konkret berechnet werden

«Wir sparen nach der Übernahme Kosten» ist keine Strategie.

Vor einem Kauf musst du klar festlegen:

  • welche Kosten doppelt vorhanden sind

  • wann sie verschwinden

  • welche Einmalkosten entstehen

  • wer für die Integration verantwortlich ist

  • wie Kunden und Mitarbeitende gehalten werden

  • welche Kennzahlen den Erfolg messen

Swisscom nennt konkrete jährliche Synergieziele und berichtet transparent über deren Erreichung.


3. Cashflow zeigt die Qualität der Umsetzung

Der Gewinn kann durch Abschreibungen, Sondereffekte oder Bilanzierungsfragen beeinflusst werden.

Der Cashflow zeigt, wie viel Geld tatsächlich aus dem Geschäft entsteht.

Swisscom steigert den operativen Free Cashflow um 21,6 Prozent.

Das ist ein stärkeres Signal als der Gewinnanstieg von 6,9 Prozent.


4. Alte Geschäftsmodelle müssen den Aufbau neuer Erträge finanzieren

Festnetz- und klassische Telekommunikationserträge sinken.

Swisscom investiert deshalb in IT, Cloud, künstliche Intelligenz und digitale Dienstleistungen.

Auch bei einem KMU solltest du früh erkennen:

  • Welche Leistungen verlieren langfristig an Bedeutung?

  • Welche Angebote wachsen?

  • Welche Fähigkeiten musst du heute aufbauen?

  • Wie lange kann das bestehende Geschäft den Wandel finanzieren?


5. Internationalisierung verändert die Organisation

Mit Italien als zweitem Kernmarkt benötigt Swisscom eine neue Führungsstruktur.

Dasselbe gilt in kleinerem Massstab für KMU.

Sobald du mehrere Märkte, Standorte oder Geschäftsbereiche führst, brauchst du klare Verantwortlichkeiten.

Sonst wird der CEO zum Engpass.


6. Kosteneffizienz darf nicht zur Innovationsbremse werden

Swisscom reduziert Stellen und Investitionen, baut gleichzeitig jedoch neue digitale Angebote und einen Standort in Portugal auf.

Kosten zu senken ist nur dann nachhaltig, wenn das Unternehmen dadurch nicht seine Zukunftsfähigkeit verliert.

Spare nicht gleichmässig überall.

Reduziere alte Komplexität und investiere gezielt in jene Fähigkeiten, die dein zukünftiges Wachstum tragen.


Einordnung für den Schweizer Wirtschaftsstandort

Die Swisscom-Zahlen zeigen zwei Entwicklungen, die für die Schweizer Wirtschaft relevant sind.

Erstens können grosse Übernahmen Schweizer Unternehmen international deutlich stärker machen.

Die Integration von Vodafone Italia liefert bereits einen wesentlichen Beitrag zu Gewinn und Cashflow.

Zweitens verlagert auch ein mehrheitlich staatlich kontrollierter Schweizer Konzern zunehmend Technologie- und Dienstleistungsarbeiten an europäische Standorte mit tieferen Kosten.

Das erhöht die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

Gleichzeitig verschärft es den Druck auf Schweizer Arbeitsplätze in IT, Verwaltung und Support.

Für den Standort Schweiz bedeutet das:

Hochqualifizierte Arbeit bleibt nicht automatisch hier, nur weil das Unternehmen schweizerisch ist.

Die Schweiz muss bei Produktivität, Ausbildung, Innovation und Standortbedingungen konkurrenzfähig bleiben.


Fazit

Swisscom steigert im ersten Halbjahr 2026 den EBITDAaL um 3,3 Prozent, den Reingewinn um 6,9 Prozent und den operativen Free Cashflow um 21,6 Prozent.

Gleichzeitig sinkt der Umsatz um 3,0 Prozent.

Der wichtigste Ergebnistreiber ist die Integration von Vodafone Italia. Bereits im ersten Halbjahr wurden Synergien von 166 Millionen Euro realisiert. Bis Ende 2026 sollen es mehr als 300 Millionen Euro sein.

Für Unternehmer steckt darin eine klare Erkenntnis:

Der Wert einer Übernahme entsteht nicht beim Vertragsabschluss.

Er entsteht in den Monaten und Jahren danach – durch klare Verantwortlichkeiten, konsequente Integration und messbare Verbesserungen bei Kosten, Ergebnis und Cashflow.

 
 
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