Rhein-Niedrigwasser: Treibstoff in der Schweiz bis 16 Rappen teurer
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Das extreme Niedrigwasser am Rhein verteuert die Treibstofflogistik in die Schweiz massiv. Der Transport von Rotterdam nach Basel kostet derzeit rund CHF 240 pro Tonne statt normalerweise CHF 22 bis 28. Laut Branchenangaben kann sich das an der Zapfsäule mit 12 bis 16 Rappen pro Liter auswirken. Die Versorgung ist aktuell gewährleistet – der Kostendruck ist trotzdem real.
Was ist am Rhein passiert?
Die anhaltende Trockenperiode hat den Wasserstand des Rheins so stark sinken lassen, dass Frachtschiffe nur noch stark reduziert beladen werden können oder auf einzelnen Abschnitten gar nicht mehr verkehren. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) bestätigte am 12. August 2026, dass dadurch die Transportkapazitäten für Importe in die Schweiz erheblich eingeschränkt sind.
Betroffen sind nicht nur Mineralölprodukte. Über den Rhein gelangen auch Nahrungs- und Futtermittel sowie Dünger in die Schweiz. Wenn ein Schiff nur einen Bruchteil seiner üblichen Ladung aufnehmen kann, braucht es für dieselbe Warenmenge mehr Fahrten oder alternative Transportmittel. Beides erhöht die Kosten.
Besonders kritisch ist der Abschnitt beim deutschen Kaub. Dort ist die durchgehende Verbindung von den Häfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen Richtung Basel derzeit faktisch stark eingeschränkt. Die Rheinfracht nach Basel hat sich deshalb innert weniger Wochen beinahe verzehnfacht.
Warum Benzin und Diesel teurer werden
TCS-Sprecher Marco Wölfli bezifferte die aktuellen Transportkosten gegenüber der Nachrichtenagentur AWP auf rund CHF 240 pro Tonne. Bei normalen Wasserständen liegen sie demnach zwischen CHF 22 und 28.
Nach der Faustregel des TCS verteuern zusätzliche Frachtkosten von CHF 14 pro Tonne den Treibstoff um ungefähr einen Rappen pro Liter. Daraus ergibt sich aktuell ein logistischer Mehrpreis von bis zu 16 Rappen. Der Branchenverband Avenergy schätzt den Effekt auf 12 bis 16 Rappen pro Liter.
Das bedeutet nicht zwingend, dass der sichtbare Tankstellenpreis im gleichen Umfang steigt. Rohölpreise, Wechselkurse und Wettbewerb wirken gleichzeitig auf den Endpreis. Sinkt der Rohölpreis, kann er einen Teil der höheren Rheinfracht vorübergehend verdecken. Die zusätzlichen Logistikkosten bleiben trotzdem bestehen.
Ist die Versorgung der Schweiz gefährdet?
Nach Angaben des BWL ist die Versorgung der Schweiz mit lebenswichtigen Gütern derzeit gewährleistet. Engpässe bei der Rheinschifffahrt können teilweise durch Bahn, Strasse, Pipelines, Unternehmensreserven und inländische Produktion ausgeglichen werden.
Der Bund hat aktuell weder Massnahmen der wirtschaftlichen Landesversorgung in Kraft gesetzt noch deren Einführung angekündigt. Sollte sich die Lage zu einem Versorgungsengpass verschärfen, könnten unter anderem Pflichtlager freigegeben werden.
Für Unternehmen ist diese Unterscheidung entscheidend: Es besteht momentan keine bestätigte Mangellage. Es gibt aber deutlich höhere Transportkosten und eine verletzlichere Lieferkette.
Was das für Schweizer Unternehmen bedeutet
Direkt betroffen sind Betriebe mit Fahrzeugflotten, Aussendienst, Baustellenlogistik oder hohem Transportanteil. Schon wenige Rappen pro Liter summieren sich bei mehreren Fahrzeugen und hohen Jahreskilometern zu relevanten Mehrkosten.
Auch Unternehmen ohne eigene Flotte können die Folgen spüren. Speditionen, Lieferanten und Produzenten könnten höhere Energie- und Transportkosten über Zuschläge oder neue Preise weitergeben. Bei Gütern, die über den Rhein importiert werden, können zudem längere Lieferzeiten oder kurzfristige Änderungen der Transportwege entstehen.
Besonders anfällig sind Geschäftsmodelle mit knappen Margen, Fixpreisen oder langfristigen Lieferverpflichtungen. Wer steigende Logistikkosten nicht weitergeben kann, trägt sie direkt über die Marge.
Was Du jetzt konkret prüfen solltest
Treibstoffbudget: Rechne für die nächsten Wochen mit einem zusätzlichen Szenario von 12 bis 16 Rappen pro Liter.
Transportverträge: Prüfe, ob Speditionen Fracht-, Energie- oder Niedrigwasserzuschläge weitergeben dürfen.
Lieferketten: Kläre bei kritischen Lieferanten, ob Waren über den Rhein kommen und ob alternative Transportwege bestehen.
Preisbindung: Prüfe bei langfristigen Offerten und Verträgen, wer aussergewöhnliche Logistikmehrkosten trägt.
Lagerbestand: Sichere kritische Betriebsmittel vorausschauend, ohne aus der aktuellen Situation eine unbestätigte Mangellage abzuleiten.
Wie lange bleibt die Lage angespannt?
Eine schnelle Entspannung ist nicht absehbar. Laut BWL waren für die Tage nach dem 12. August keine ergiebigen Niederschläge prognostiziert. Einzelne Gewitter reichen nicht aus, um den Rheinpegel nachhaltig anzuheben; dafür braucht es länger anhaltenden Regen im Einzugsgebiet.
Für Unternehmer lautet die sinnvolle Strategie deshalb: keine Panik, aber Kosten und Lieferwege aktiv beobachten. Das Niedrigwasser ist derzeit vor allem ein Preis- und Logistikproblem – und genau dort sollten Unternehmen ihre Risiken jetzt prüfen.


