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KI im Marketing: Warum viele Schweizer KMU jetzt Sichtbarkeit verlieren

vor 12 Stunden
3 Min. Lesezeit

Künstliche Intelligenz verändert, wie Kundinnen und Kunden nach Unternehmen, Produkten und Dienstleistungen suchen. Viele Schweizer KMU reagieren darauf jedoch nur langsam: Erst rund jedes fünfte Unternehmen nutzt KI-Werkzeuge im Marketing. 58 Prozent haben noch nie geprüft, wie ihr Betrieb in KI-Suchen dargestellt wird.


Das zeigt der «KMU Digital Pulse 2026» von localsearch und der Hochschule Luzern. Für Unternehmer ist das keine abstrakte Technologiedebatte. Wer in Antworten von ChatGPT, Google und anderen KI-Assistenten nicht vorkommt oder falsch dargestellt wird, kann künftig Anfragen verlieren, bevor Interessenten überhaupt eine Website besuchen.


Was die Studie über Schweizer KMU zeigt


Für die Untersuchung wurden 504 Personen befragt, die in Schweizer KMU Marketingentscheide treffen oder daran massgeblich beteiligt sind. Das Marktforschungsinstitut intervista führte die Befragung vom 13. bis 21. Mai 2026 durch. Die Stichprobe wurde nach Sprachregion und Beschäftigtenklasse gewichtet.


45 Prozent der Befragten beobachten, dass ihre Kundschaft zunehmend KI-Werkzeuge für die Suche nach Angeboten nutzt. 44 Prozent gehen davon aus, dass Mitbewerber bereits KI im Marketing einsetzen.


Trotzdem sind viele Unternehmen zurückhaltend. 48 Prozent finden nicht, dass ein Unternehmen wie ihres KI im Marketing einsetzen sollte. Nur 27 Prozent trauen sich gemäss der Studie zu, KI sinnvoll im Marketing zu nutzen.


Die grösste Lücke liegt bei der KI-Sichtbarkeit


Besonders relevant ist nicht nur die interne Nutzung von KI, sondern die Frage, was KI-Systeme über ein Unternehmen wissen. 58 Prozent der KMU haben laut Studie noch nie überprüft, wie sie in KI-Suchen erscheinen.


Damit entsteht ein neues Sichtbarkeitsrisiko. Klassische Suchmaschinen zeigen Links. KI-Assistenten formulieren dagegen häufig direkt eine Antwort und nennen nur eine begrenzte Zahl von Unternehmen oder Quellen.


Fehlen klare Unternehmensinformationen, aktuelle Fachinhalte, Referenzen und konsistente Profile, kann eine Marke übergangen oder unpräzise dargestellt werden. Das lässt sich nicht vollständig kontrollieren. Unternehmen können die Datengrundlage aber deutlich verbessern.


Warum Abwarten für KMU teuer werden kann


Der Einsatz von KI ist kein Selbstzweck. Nicht jedes Unternehmen braucht sofort komplexe Automationen oder ein eigenes KI-System. Für Marketing, Recherche, Textentwürfe, Angebotsvarianten und die Auswertung von Kundenfragen lassen sich jedoch bereits heute repetitive Arbeiten beschleunigen.


Wer wartet, trägt zwei Kosten: Mitarbeitende verbringen weiterhin Zeit mit manuellen Aufgaben, während Wettbewerber schneller testen und lernen. Gleichzeitig fehlen dem eigenen Unternehmen Erfahrungen, wenn KI-basierte Suche und Kommunikation wichtiger werden.


Die Studie stammt von localsearch, das selbst digitale Marketinglösungen verkauft. Einzelne Schlussfolgerungen sind deshalb auch im geschäftlichen Kontext des Anbieters zu lesen. Die offengelegte Methodik und die Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern machen die erhobenen Werte dennoch zu einem relevanten Lagebild.


Was Unternehmer jetzt konkret prüfen sollten


Ein sinnvoller Einstieg beginnt nicht mit einem grossen KI-Projekt, sondern mit einem klar begrenzten Anwendungsfall.


Erstens: Suche das eigene Unternehmen in mehreren KI-Assistenten. Prüfe Namen, Leistungen, Standorte, Zielgruppen und häufig genannte Stärken. Dokumentiere falsche oder fehlende Angaben.


Zweitens: Sorge für eindeutige Primärinformationen. Leistungen, Ansprechpartner, Referenzen, Preise oder Preislogik und Kontaktmöglichkeiten sollten auf der eigenen Website aktuell und verständlich beschrieben sein.


Drittens: Sammle die wiederkehrenden Fragen von Interessenten und Kunden. Beantworte sie als fachlich belastbare Artikel, FAQ oder Fallbeispiele. Solche Inhalte helfen Menschen und liefern Such- und KI-Systemen ein klareres Bild des Unternehmens.


Viertens: Wähle einen internen Prozess, bei dem KI messbar Zeit sparen kann. Definiere Qualitätskontrolle, Datenschutzregeln und eine verantwortliche Person. Sensible Kunden- oder Personaldaten gehören nicht unkontrolliert in öffentliche KI-Dienste.


Fazit: Nicht jede Firma braucht mehr KI – aber jede braucht Klarheit


Die Studie zeigt keine unmittelbare Krise. Sie zeigt jedoch eine wachsende Lücke zwischen dem Suchverhalten der Kundschaft und der Reaktion vieler KMU.


Unternehmer müssen nicht jedem Trend folgen. Sie sollten aber wissen, wie ihr Unternehmen in KI-Systemen erscheint und an welchen Stellen KI konkret Zeit, Kosten oder Reichweite verbessern kann. Wer diese Fragen heute systematisch beantwortet, muss morgen nicht unter Zeitdruck aufholen.

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