KI-Suche überholt Social Media: Was Schweizer Unternehmen jetzt ändern müssen
- vor 19 Stunden
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Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Arbeitsabläufe. Sie verändert auch, wie Kundinnen und Kunden nach Anbietern, Produkten und Lösungen suchen. Gemäss dem IGEM-Digimonitor 2026 nutzen inzwischen 80 Prozent der internetnutzenden Schweizer Bevölkerung zwischen 15 und 75 Jahren zumindest gelegentlich KI. 2024 waren es 40 Prozent.
Für Schweizer Unternehmen ist vor allem eine zweite Zahl entscheidend: 57 Prozent setzen KI-Plattformen gezielt für die Suche ein. Damit liegen diese Angebote laut Studie vor YouTube mit 34 Prozent und sozialen Medien mit 28 Prozent. Wer online gefunden werden will, muss deshalb nicht nur für klassische Suchresultate verständlich sein, sondern auch für antwortbasierte Systeme.
Was der Digimonitor 2026 zeigt
Der IGEM-Digimonitor wird von der Interessengemeinschaft elektronische Medien und der WEMF herausgegeben. Für die Ausgabe 2026 wurden 1’957 Personen in der Deutschschweiz, der Romandie und im Tessin befragt. Die Erhebung ist repräsentativ für die rund 6,4 Millionen Menschen umfassende internetnutzende Bevölkerung im Alter von 15 bis 75 Jahren – nicht für die gesamte Schweizer Wohnbevölkerung.
Neben den 57 Prozent, die bewusst auf KI-Plattformen suchen, verwenden 77 Prozent KI-Funktionen innerhalb klassischer Suchmaschinen. ChatGPT wird von 67 Prozent zumindest gelegentlich genutzt, von 17 Prozent täglich. Bei den 15- bis 34-Jährigen liegt die gelegentliche Nutzung bei 91 Prozent, die tägliche bei 44 Prozent.
Die Zahlen zeigen keinen vollständigen Ersatz von Google oder anderen Suchmaschinen. Sie zeigen aber eine deutliche Verschiebung: Ein wachsender Teil der Informationssuche endet in einer direkt formulierten Antwort, einer Zusammenfassung oder einer Empfehlung.
Warum das für Schweizer Unternehmen relevant ist
Für Unternehmen geht es um Sichtbarkeit am Anfang einer Kaufentscheidung. Wird ein Betrieb in einer KI-Antwort nicht berücksichtigt, gelangt ein potenzieller Kunde womöglich gar nicht mehr auf dessen Website. Besonders relevant ist das für erklärungsbedürftige Angebote, B2B-Dienstleistungen, Software, Beratung und Produkte, bei denen Interessenten vor dem Kauf viele Fragen stellen.
Das bedeutet nicht, dass klassische Suchmaschinenoptimierung überflüssig wird. Technisch saubere Websites, klare Seitenstrukturen und relevante Inhalte bleiben die Grundlage. Neu gewinnt jedoch die Frage an Gewicht, ob ein System den Inhalt eindeutig verstehen, einer verlässlichen Quelle zuordnen und in einer konkreten Antwort verwenden kann.
Was sich bei Inhalten ändern muss
Fragen statt nur Schlagwörter beantworten
Eine Leistungsseite sollte nicht nur ein Hauptkeyword enthalten. Sie sollte die tatsächlichen Fragen potenzieller Kunden präzise beantworten: Für wen eignet sich das Angebot? Was kostet es? Welche Voraussetzungen gelten? Wie lange dauert die Umsetzung? Wo liegen Grenzen und Risiken? Klare Antworten erhöhen den Nutzen für Menschen und erleichtern zugleich die maschinelle Einordnung.
Belege und klare Autorenschaft zeigen
Konkrete Daten, nachvollziehbare Beispiele, fachlich verantwortliche Autorinnen und Autoren sowie ein aktuelles Veröffentlichungsdatum stärken die Glaubwürdigkeit. Unbelegte Superlative und austauschbare Marketingtexte liefern dagegen wenig Substanz. Unternehmen sollten zentrale Aussagen regelmässig prüfen und veraltete Seiten überarbeiten.
Die Marke auch ausserhalb der eigenen Website stärken
KI-Systeme stützen Antworten nicht zwingend auf eine einzelne Website. Branchenmedien, Verbände, Fachportale, Kundenberichte und öffentlich zugängliche Unternehmensinformationen können das Gesamtbild einer Marke mitprägen. Medienarbeit, Partnerschaften und fachlich relevante Erwähnungen werden damit auch für die digitale Auffindbarkeit wichtiger.
Vier konkrete Schritte für KMU
1. Kundenfragen erfassen: Sammle Fragen aus Verkaufsgesprächen, Support, Offerten und Suchanfragen und ordne sie nach Entscheidungsphase.
2. Kernseiten verbessern: Ergänze Leistungs- und Produktseiten um klare Antworten, Preise oder Preismodelle, Voraussetzungen, Beispiele und überprüfbare Fakten.
3. Technische Basis prüfen: Stelle sicher, dass wichtige Inhalte öffentlich zugänglich, indexierbar, mobil lesbar und logisch verlinkt sind.
4. Sichtbarkeit beobachten: Prüfe regelmässig, wie Google und verbreitete KI-Plattformen auf typische Kundenfragen reagieren und ob dein Unternehmen sachlich korrekt erscheint.
Google bleibt wichtig – aber nicht mehr allein
Der Digimonitor 2026 liefert keine Anleitung für einen einzelnen Algorithmus. Er zeigt jedoch, dass KI-Suche in der Schweiz den Massenmarkt erreicht hat. Für Unternehmer ist das ein Signal, Inhalte stärker an realen Fragen, klaren Fakten und überprüfbarer Fachkompetenz auszurichten.
Wer jetzt seine wichtigsten Kundenfragen sauber beantwortet und die digitale Vertrauensbasis stärkt, verbessert nicht nur die Chance auf Erwähnungen in KI-Antworten. Er macht seine Kommunikation zugleich verständlicher, glaubwürdiger und verkaufsnäher.



