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Infomaniak geht an die Börse: Schweizer Cloud-Anbieter erhält grünes Licht

vor 10 Minuten
3 Min. Lesezeit

Der Schweizer Cloud-Anbieter Infomaniak kommt seinem Börsengang einen entscheidenden Schritt näher. Die Aktionäre von Perrot Duval haben der geplanten Transaktion zugestimmt. Damit kann Infomaniak über einen sogenannten Reverse Takeover Zugang zur SIX Swiss Exchange erhalten.


Für Schweizer Unternehmen ist das mehr als eine Börsenmeldung. Infomaniak will mit dem Zugang zum Kapitalmarkt neue Rechenzentren und Cloud-Dienste ausbauen. Gleichzeitig soll die Kontrolle bei einer gemeinnützigen Stiftung bleiben.


Was genau beschlossen wurde


Perrot Duval ist eine seit 1905 kotierte Schweizer Beteiligungsgesellschaft. Sie soll nach Abschluss der Transaktion Infomaniak aufnehmen und anschliessend in Infomaniak SA umbenannt werden.


Die Zustimmung der Aktionäre beseitigt eine zentrale Bedingung. Vollzogen ist der Börsengang damit noch nicht: Notwendig sind weiterhin die regulatorischen Freigaben der SIX Swiss Exchange beziehungsweise von SIX Exchange Regulation sowie die Genehmigung des Prospekts.


Es handelt sich nicht um einen klassischen Börsengang mit einer vollständig neuen Kotierung. Beim Reverse Takeover übernimmt ein nicht kotiertes Unternehmen wirtschaftlich eine bereits börsenkotierte Gesellschaft. Dieser Weg kann schneller und administrativ schlanker sein als ein traditioneller IPO.


Wachstumskapital für Schweizer Rechenzentren


Infomaniak will den Kapitalmarkt nutzen, um seine Infrastruktur und sein Angebot auszubauen. Gemäss Unternehmensangaben stehen neue Rechenzentren in der Schweiz sowie zusätzliche Cloud- und Kollaborationsdienste im Zentrum.


Der Investitionsbedarf ist erheblich: Rechenzentren, Chips, Stromversorgung, Cybersicherheit und Softwareentwicklung verlangen laufend Kapital. Gleichzeitig wächst in Europa die Nachfrage nach Lösungen, bei denen Daten und Infrastruktur unter europäischer oder schweizerischer Kontrolle bleiben.


Infomaniak erzielte 2025 nach eigenen Angaben einen Umsatz von CHF 54,2 Millionen, nach CHF 47,6 Millionen im Vorjahr. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 300 Personen in der Schweiz und zählt rund 300’000 zahlende Kunden.


Die Stiftung behält die Kontrolle


Der ungewöhnlichste Teil der Konstruktion liegt in der Stimmrechtsverteilung. An der Börse sollen nur B-Aktien gehandelt werden. Die nicht kotierten A-Aktien verfügen über bevorzugte Stimmrechte und bleiben vollständig bei der Infomaniak-Stiftung.


Die Stiftung soll damit die Mehrheit der Stimmrechte behalten, obwohl externe Investoren künftig am wirtschaftlichen Wert des Unternehmens beteiligt sein können. Eine Übernahme oder ein grundlegender Kontrollwechsel wäre ohne ihre Zustimmung nicht möglich.


Für Unternehmer ist das ein bemerkenswertes Governance-Modell: Infomaniak trennt wirtschaftliches Kapital und Kontrolle stärker voneinander. Das erleichtert die Finanzierung, kann aber auch zu Interessenkonflikten führen, wenn die Erwartungen von Publikumsaktionären und kontrollierender Stiftung auseinandergehen.


Was sich für Kunden vorerst ändert – und was nicht


Infomaniak erklärt, dass Dienstleistungen, Preise, Verträge und der Standort der Daten durch die Transaktion nicht verändert werden. Für bestehende Kunden gibt es deshalb keinen unmittelbaren Handlungsbedarf.


Trotzdem sollten Unternehmen bei strategischen Cloud-Anbietern nicht allein auf die aktuelle Eigentümerstruktur schauen. Entscheidend bleiben vertraglich zugesicherte Datenstandorte, Exit-Möglichkeiten, Schnittstellen, Datensicherung und ein belastbarer Notfallplan.


Was Schweizer Unternehmer daraus lernen können


Der Fall zeigt, dass Wachstumskapital nicht zwingend mit dem vollständigen Verlust der Kontrolle verbunden sein muss. Stimmrechtsaktien, Stiftungsmodelle oder langfristige Aktionärsvereinbarungen können eine Mission schützen und trotzdem neue Finanzierungsquellen öffnen.


Solche Strukturen sind jedoch kein Selbstläufer. Sie müssen transparent sein, klare Zuständigkeiten schaffen und Minderheitsaktionäre angemessen schützen. Unternehmer, die Kapital aufnehmen wollen, sollten früh klären, welche Rechte sie abgeben können – und welche Entscheide dauerhaft unter eigener Kontrolle bleiben sollen.


Fazit: Ein Börsengang mit Schweizer Sondermodell


Infomaniak hat eine wichtige Hürde genommen, aber die Transaktion ist noch nicht abgeschlossen. Der geplante Reverse Takeover soll Kapital für die nächste Wachstumsphase mobilisieren, ohne die Kontrolle über die strategische Ausrichtung aus der Hand zu geben.


Für Schweizer Unternehmen ist der Schritt doppelt relevant: Er stärkt einen lokalen Cloud-Anbieter und liefert zugleich ein konkretes Beispiel dafür, wie Finanzierung und Unabhängigkeit strukturell miteinander verbunden werden können.

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