Jedes vierte kontrollierte Elektroprodukt mangelhaft: Was Händler jetzt prüfen müssen
- vor 24 Stunden
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Das Eidgenössische Starkstrominspektorat (ESTI) hat bei seiner Marktüberwachung 2025 insgesamt 1’001 elektrische Produkte kontrolliert. 281 davon wiesen Mängel auf, bei 172 Produkten war direkt die elektrische Sicherheit betroffen. Für Schweizer Hersteller, Importeure, Händler und Online-Shops ist das ein klares Signal: Fehlende Nachweise, ungeeignete Stecker oder technische Sicherheitsmängel können zu Verkaufsverboten, Rückrufen und erheblichen Reputationsschäden führen.
Jedes vierte kontrollierte Produkt wies Mängel auf
Gemäss der am 17. August 2026 veröffentlichten ESTI-Auswertung wurden bei 281 der 1’001 geprüften Produkte Mängel festgestellt. Neben den 172 Fällen mit Problemen bei der elektrischen Sicherheit beanstandete die Behörde unter anderem fehlende oder unvollständige Konformitätsnachweise, Kennzeichnungen und technische Unterlagen.
Das ESTI sprach 65 Verkaufsverbote aus. In weiteren 23 Fällen nahmen Schweizer Wirtschaftsakteure mangelhafte Produkte gemeinsam mit der Behörde vom Markt. Acht Rückrufe beziehungsweise Sicherheitswarnungen wurden zusätzlich öffentlich publiziert.
Betroffen waren insbesondere Installationsmaterial, Haushalts- und Bürogeräte, Leuchten und Ladegeräte. Zu den zurückgerufenen Produkten gehörten unter anderem Powerbanks, Akkus, Akku-Staubsauger, Heissluftfritteusen sowie Reise- und Steckeradapter.
Die Mängelquote gilt nicht für den gesamten Markt
Die Zahl darf nicht so verstanden werden, dass jedes vierte in der Schweiz verkaufte Elektrogerät mangelhaft ist. Das ESTI kontrolliert stichprobenweise und risikobasiert. Geprüft werden also gezielt Produkte, bei denen aufgrund von Hinweisen, Meldungen oder Risikomerkmalen ein erhöhter Kontrollbedarf besteht.
Die Kontrollen fanden online, in Verkaufsstellen und Fachmärkten, direkt bei Herstellern sowie auf Fachmessen statt. Auch Meldungen Dritter lösten Überprüfungen aus. Die Auswertung zeigt deshalb, wo die Behörde tatsächlich Probleme findet, ist aber keine repräsentative Stichprobe des gesamten Schweizer Angebots.
Warum die Mängel wirtschaftlich relevant sind
Elektrische Sicherheitsmängel sind von aussen häufig nicht erkennbar. Minderwertige Bauteile, ungenügende Isolation, schlechte Steckverbindungen oder fehlende Schutzfunktionen können laut ESTI Stromschläge, Überhitzung und Brände verursachen.
Für Unternehmen reichen die Folgen weit über den einzelnen Verkauf hinaus. Ein Verkaufsverbot stoppt den Absatz unmittelbar. Ein Rückruf verursacht Aufwand für Kundenkommunikation, Rücktransport, Ersatz, Entsorgung und interne Abklärungen. Hinzu kommen mögliche Haftungsfälle und Vertrauensverluste.
Die Marktüberwachung erfolgt auf Grundlage der Verordnung über elektrische Niederspannungserzeugnisse (NEV). Rücknahmen und öffentliche Sicherheitswarnungen können zusätzlich auf dem Bundesgesetz über die Produktesicherheit beruhen. Unternehmen, die solche Produkte bereitstellen, sollten deshalb die Konformität nicht erst nach einer Beanstandung prüfen.
Fünf Punkte, die Händler und Importeure jetzt prüfen sollten
1. Konformitätsunterlagen vollständig einfordern
Prüfe vor dem Einkauf, ob die erforderlichen Konformitätsnachweise, technischen Unterlagen, Herstellerangaben und verständlichen Benutzerinformationen vorhanden sind. Eine CE-Kennzeichnung allein genügt nicht als unabhängiger Sicherheitsnachweis. Das ESTI weist darauf hin, dass das CE-Zeichen grundsätzlich eine Erklärung des Herstellers ist.
2. Stecker und Anschlüsse für die Schweiz kontrollieren
Ein häufiger Problembereich sind unzulässige ausländische Stecker. Geräte mit deutschen Schutzkontaktsteckern, sogenannten Schuko-Steckern, dürfen gemäss ESTI in der Schweiz weder an Konsumenten noch an die Industrie abgegeben werden. Ungeeignete Verbindungen können überlasten und einen Brand auslösen.
3. Lieferanten nicht nur nach dem Preis auswählen
Auffallend tiefe Preise können darauf hinweisen, dass bei Prüfung, Material oder Verarbeitung gespart wurde. Das bedeutet nicht, dass jedes günstige Produkt unsicher ist. Fehlen jedoch klare Herstellerangaben, ein erreichbarer Kundendienst oder nachvollziehbare Produktunterlagen, steigt das Risiko.
4. Wareneingang risikobasiert prüfen
Kontrolliere neue Lieferanten, Produktänderungen und besonders sensible Kategorien intensiver. Dazu gehören Ladegeräte, Akkus, Adapter, Leuchten und Installationsmaterial. Eine dokumentierte Wareneingangsprüfung erleichtert es, Abweichungen früh zu erkennen und betroffene Chargen einzugrenzen.
5. Rückrufprozess vorbereiten
Unternehmen sollten bereits vor einem Vorfall wissen, wer entscheidet, welche Kundendaten verfügbar sind und wie Verkauf, Lager und Kommunikation gestoppt werden. Chargen- oder Serieninformationen sowie eine verlässliche Lieferantendokumentation verkürzen die Reaktionszeit deutlich.
Besondere Vorsicht bei Direktimporten
Das ESTI kann private Direktkäufe auf ausländischen Plattformen nicht unterbinden. Für Schweizer Unternehmen entsteht daraus ein zusätzliches Risiko, wenn Mitarbeitende Geräte, Adapter, Akkus oder Ladegeräte ausserhalb der geregelten Beschaffung bestellen und im Betrieb einsetzen.
Eine klare Einkaufsrichtlinie sollte deshalb auch kleine Elektrogeräte und Zubehör erfassen. Entscheidend sind eine erreichbare Ansprechstelle, nachvollziehbare Produktinformationen, passende Schweizer Anschlüsse und ein dokumentierter Beschaffungsweg.
Die wichtigste Konsequenz für Unternehmen
Die ESTI-Zahlen zeigen keine flächendeckende Unsicherheit des Schweizer Marktes. Sie zeigen aber, dass gezielte Kontrollen regelmässig auf gravierende technische und formale Mängel stossen.
Wer Elektroprodukte herstellt, importiert oder verkauft, sollte Produktsicherheit als festen Geschäftsprozess behandeln. Eine saubere Prüfung vor dem Verkauf ist deutlich günstiger als ein Verkaufsverbot oder Rückruf nach der Markteinführung.



