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Ölpreis über 100 Dollar: Was Schweizer KMU jetzt prüfen sollten

vor 3 Stunden
2 Min. Lesezeit

Der Brent-Ölpreis ist am 9. September 2026 wieder über 100 US-Dollar pro Fass gestiegen. Gleichzeitig greift die Schweiz wegen eines Raffinerieausfalls und eingeschränkter Transporte auf dem Rhein auf ihre Pflichtlager zurück. Für transport- und energieintensive Unternehmen steigt damit das Risiko höherer Beschaffungskosten.


Ölpreis schliesst bei 101,21 US-Dollar


Die Brent-Futures schlossen am Mittwoch bei 101,21 US-Dollar pro Fass. Das entspricht gemäss Reuters einem Tagesanstieg von 3,4 Prozent und dem höchsten Schlussstand seit dem 22. Mai. Auslöser war eine neue Eskalation im Nahen Osten, die wichtige Transportwege und Liefermengen bedroht.


Der Preis allein sagt noch nicht, wie stark Diesel, Benzin oder Heizöl in der Schweiz steigen werden. Entscheidend sind zusätzlich der Wechselkurs, Raffineriekapazitäten, Transportkosten, Lagerbestände, Steuern und Margen. Für Unternehmen ist der Sprung dennoch ein klares Warnsignal.


Schweiz gibt Diesel und Benzin aus Pflichtlagern frei


Die Versorgungslage in der Schweiz war bereits vor dem jüngsten Ölpreissprung angespannt. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung teilte am 8. September mit, dass die Raffinerie in Cressier NE wegen eines technischen Defekts vorübergehend stillsteht. Gleichzeitig schränkt Niedrigwasser die Transportkapazitäten auf dem Rhein stark ein.


Vom 8. bis 20. September dürfen deshalb bis zu 30’000 Kubikmeter Diesel und 30’000 Kubikmeter Benzin aus den Pflichtlagern entnommen werden. Nach Angaben des Bundes entspricht dies bei beiden Produkten jeweils weniger als drei Prozent der Pflichtlagerbestände.


Die Raffinerie in Cressier deckt normalerweise etwas mehr als 30 Prozent des Schweizer Bedarfs an Mineralölprodukten. Der Bund rechnet damit, dass sie ab Mitte September wieder normal produziert. Die Versorgung mit Benzin und Diesel sei derzeit sichergestellt; bei Heizöl und Flugpetrol bestünden keine Versorgungsengpässe.


Welche Unternehmen besonders betroffen sind


Ein unmittelbares Kostenrisiko besteht vor allem für Logistikunternehmen, Bau- und Transportunternehmen, Aussendienstorganisationen sowie Betriebe mit hohem Diesel- oder Prozessenergieverbrauch. Auch Unternehmen ohne eigenen Fuhrpark können indirekt betroffen sein, wenn Lieferanten höhere Transport- und Materialkosten weitergeben.


Ob und wie schnell sich der Rohölpreis in Schweizer Verkaufspreisen niederschlägt, ist offen. Unternehmer sollten deshalb keine pauschalen Preissteigerungen unterstellen, aber ihre Kostenentwicklung enger verfolgen.


Was KMU jetzt konkret prüfen sollten


Erstens: Erfasse, welcher Anteil Deiner Kosten direkt oder indirekt von Diesel, Benzin, Heizöl, Kunststoffen und Transportleistungen abhängt. Zweitens: Prüfe bei neuen Offerten die Gültigkeitsdauer und mögliche Preisanpassungsklauseln. Drittens: Vergleiche die geplanten Transport- und Beschaffungskosten mit aktuellen Lieferantenangeboten.


Bei knappen Margen kann bereits eine moderate Kostensteigerung relevant werden. Sinnvoll ist deshalb eine kurze Szenariorechnung: Was geschieht mit dem Deckungsbeitrag, wenn Energie- oder Transportkosten um fünf, zehn oder fünfzehn Prozent steigen? Daraus lässt sich ableiten, ab welchem Punkt Preise angepasst, Lieferwege verändert oder Aufträge neu kalkuliert werden müssen.


Keine Versorgungskrise – aber ein reales Kostenrisiko


Die Pflichtlagerfreigabe stabilisiert die physische Versorgung. Sie verhindert jedoch nicht automatisch höhere Marktpreise. Für Schweizer KMU ist deshalb nicht Panik, sondern Kostentransparenz gefragt. Wer seine Abhängigkeit kennt und Offerten sauber absichert, kann schneller reagieren, falls der Ölpreissprung länger anhält.

 
 
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