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Arbeitslosigkeit steigt um 7,1 Prozent: Was Schweizer KMU jetzt beachten müssen

  • vor 29 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

Die Zahl der registrierten Arbeitslosen in der Schweiz ist im August 2026 auf 141’544 gestiegen. Gegenüber August 2025 sind das 9’439 Personen oder 7,1 Prozent mehr. Die Arbeitslosenquote blieb dennoch bei 3,0 Prozent. Für Unternehmen bedeutet das: Der Arbeitsmarkt kühlt ab, ohne bereits in einen Einbruch zu geraten.

Die neusten Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO zeigen zugleich, dass kurzfristige Ausschläge vorsichtig interpretiert werden müssen. Saisonbereinigt nahm die Zahl der Arbeitslosen gegenüber Juli lediglich um 49 Personen zu; die bereinigte Quote blieb bei 3,1 Prozent.


Was im August 2026 passiert ist

Unbereinigt stieg die Zahl der Arbeitslosen gegenüber Juli um 2’268 Personen oder 1,6 Prozent. Ein grosser Teil der monatlichen Bewegung entfiel auf junge Menschen: Bei den 15- bis 24-Jährigen erhöhte sich die Zahl um 2’384 auf 14’678. Die Jugendarbeitslosenquote stieg um 0,6 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent.

Dieser Monatseffekt fällt mit dem Ende vieler Ausbildungen und dem Eintritt junger Menschen in den Arbeitsmarkt zusammen. Der Vorjahresvergleich zeigt aber ebenfalls einen Anstieg: Im August waren 996 oder 7,3 Prozent mehr junge Menschen arbeitslos als ein Jahr zuvor.

Bei den 50- bis 64-Jährigen blieb die Zahl gegenüber Juli nahezu stabil. Gegenüber August 2025 lag sie jedoch 7,9 Prozent höher.


Mehr Stellensuchende, aber auch mehr gemeldete Stellen

Insgesamt waren im August 227’248 Stellensuchende bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren registriert. Das sind 18’158 Personen oder 8,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Stellensuchendenquote blieb bei 4,8 Prozent.

Gleichzeitig meldeten die RAV 43’733 offene Stellen. Gegenüber Juli waren das 3,2 Prozent weniger, gegenüber August 2025 jedoch 15,5 Prozent mehr. Davon unterlagen 28’889 Stellen der Stellenmeldepflicht.

Die Kombination ist für Arbeitgeber wichtig: Das Angebot an Kandidatinnen und Kandidaten wächst, doch der Rekrutierungsbedarf ist nicht verschwunden. Die Lage unterscheidet sich zudem stark nach Beruf, Qualifikation und Region.


Was die Zahlen für Schweizer KMU bedeuten

Unternehmen sollten die stabile Gesamtquote weder als Entwarnung noch als Krisensignal lesen. Die saisonbereinigten Daten sprechen für einen derzeit seitwärts laufenden Arbeitsmarkt. Der deutliche Vorjahresanstieg zeigt jedoch, dass sich die Verhandlungsmacht in gewissen Berufsgruppen langsam zugunsten der Arbeitgeber verschieben kann.

Für KMU ergeben sich daraus vier konkrete Handlungsfelder:

  • Rekrutierung neu kalibrieren: Kritische Vakanzen nicht pauschal stoppen. Prüfe für jede Funktion, ob sich Bewerberzahl, Suchdauer und Lohnvorstellungen bereits verändert haben.

  • Lohnbudgets differenzieren: Ein etwas grösserer Kandidatenpool bedeutet nicht automatisch sinkende Löhne. Engpassberufe bleiben knapp; generelle Annahmen führen zu Fehlentscheiden.

  • Junge Talente gezielt ansprechen: Der starke Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit schafft Chancen für Einstiegsstellen, Praktika und Nachwuchsprogramme – vorausgesetzt, Betreuung und Entwicklung sind gesichert.

  • Frühindikatoren beobachten: Auftragseingang, Auslastung, Überstunden, Fluktuation und Bewerbungsqualität sind für die eigene Personalplanung aussagekräftiger als eine einzelne nationale Quote.


Kurzarbeit liefert noch kein breites Warnsignal

Die jüngsten verfügbaren Kurzarbeitsdaten betreffen Mai 2026. Damals waren 8’331 Personen in 599 Betriebsabteilungen betroffen. Gegenüber April gingen beide Werte zurück. Weil Kurzarbeitsdaten zeitverzögert vorliegen, eignen sie sich nur eingeschränkt als Echtzeitindikator.

Für Unternehmer ist deshalb eine Kombination aus offiziellen Arbeitsmarktdaten und eigenen Betriebskennzahlen entscheidend. Wer allein auf die unveränderte Quote von 3,0 Prozent schaut, übersieht den Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Wer aus dem Augustsprung sofort eine Rezession ableitet, ignoriert hingegen die saisonbereinigte Stabilität.


Fazit: Mehr Auswahl, aber kein Arbeitgebermarkt

Der Schweizer Arbeitsmarkt hat sich gegenüber dem Vorjahr abgekühlt, bleibt im internationalen Vergleich jedoch robust. Für KMU kann die Rekrutierung in einzelnen Bereichen etwas leichter werden. Ein flächendeckender Arbeitgebermarkt lässt sich aus den Augustzahlen aber nicht ableiten.

Die sinnvollste Konsequenz ist eine präzisere Personalsteuerung: Stellen nach ihrem wirtschaftlichen Beitrag priorisieren, Lohnbänder mit aktuellen Marktdaten prüfen und attraktive Einstiegsmöglichkeiten für junge Fachkräfte schaffen.

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