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OECD warnt: Bürokratie bremst Schweizer KMU

vor 11 Minuten
2 Min. Lesezeit

Die OECD stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus – verbindet es aber mit einer klaren Warnung: Produktivitätswachstum und Wettbewerbsfähigkeit dürfen nicht länger zu stark von wenigen Branchen abhängen. Für KMU sind vor allem weniger Bürokratie, digitalere Behördenprozesse und mehr Wettbewerb entscheidend.


OECD fordert Reformen für mehr Produktivität

Der am 15. September 2026 veröffentlichte OECD-Länderbericht beschreibt die Schweizer Wirtschaft als widerstandsfähig. Die OECD erwartet ein reales Wachstum des Bruttoinlandprodukts von 2,0 Prozent im Jahr 2026 und 1,4 Prozent im Jahr 2027. Die Inflation soll in beiden Jahren bei 0,6 Prozent liegen.


Die gute Gesamtlage verdeckt jedoch ein strukturelles Risiko: Das Produktivitätswachstum stützt sich stark auf einzelne leistungsfähige Sektoren wie Pharma und Präzisionsindustrie. Die OECD empfiehlt deshalb Reformen, die auch binnenorientierte Unternehmen und kleinere Firmen erreichen.


Weniger administrative Belastung für Unternehmen

Aus Sicht von Schweizer KMU ist eine Empfehlung besonders relevant: Administrative Prozesse sollen stärker vereinfacht und digitalisiert werden. Gleichzeitig sollen Markteintrittsbarrieren und nichttarifäre Handelshemmnisse sinken.


Das SECO fasst den Handlungsbedarf ähnlich zusammen. Neben einer tieferen administrativen Belastung nennt es eine bessere Ausschöpfung des Arbeitskräftepotenzials und stärkeren Wettbewerb als zentrale Aufgaben.


Für Unternehmer ist das keine abstrakte Standortdebatte. Bewilligungen, kantonal unterschiedliche Vorgaben, Doppelspurigkeiten und langsame Verwaltungsprozesse binden Zeit und Kapital, ohne einen direkten Kundennutzen zu erzeugen.


Auch Bauunternehmen könnten direkt profitieren

Besonders konkret wird die OECD beim Bauen. Harmonischere Bauvorschriften zwischen den Kantonen und eine konsequent elektronische Bearbeitung von Baubewilligungen könnten Projekte beschleunigen und Kosten senken.


Davon betroffen sind nicht nur Bauunternehmen. Schnellere Verfahren wirken auch auf Firmen, die neue Standorte eröffnen, Produktionsflächen erweitern oder in Wohn- und Gewerbeimmobilien investieren.


Alterung erhöht den Druck auf Unternehmen und Staat

Die OECD warnt zudem vor steigenden langfristigen Ausgaben durch die alternde Bevölkerung. Die zusätzliche 13. AHV-Rente ist noch nicht finanziert. Gleichzeitig steigen die Ausgaben für Verteidigung, Gesundheit und Klimaanpassung.


Für Unternehmen bedeutet das nicht automatisch höhere Steuern oder Abgaben. Der Bericht zeigt jedoch, dass der finanzpolitische Spielraum enger wird. Unternehmer sollten deshalb politische Entscheide zu Sozialversicherungen, Lohnnebenkosten und Unternehmensabgaben aufmerksam verfolgen.


Was Schweizer KMU jetzt daraus ableiten sollten

Die OECD-Empfehlungen sind noch keine neuen Gesetze. Kurzfristig entsteht daraus deshalb keine neue Pflicht für Unternehmen.


Trotzdem ist die Richtung relevant: KMU sollten ihre eigenen administrativen Zeitfresser messen, digitale Behördenangebote konsequent nutzen und bei Verbänden konkrete regulatorische Belastungen melden. Wer Investitionen in Gebäude oder neue Standorte plant, sollte zusätzlich kantonale Bewilligungszeiten und Bauvorschriften früh vergleichen.


Die Kernaussage des Berichts ist klar: Die Schweiz bleibt wirtschaftlich stark. Ohne Reformen bei Bürokratie, Wettbewerb, Arbeitskräftepotenzial und Staatsausgaben ist dieser Vorsprung jedoch nicht garantiert.

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