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Firmenkonkurse auf Rekordhoch: Was Schweizer Unternehmen jetzt prüfen sollten

  • vor 19 Minuten
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Die Zahl der Firmenkonkurse in der Schweiz ist im ersten Halbjahr 2026 auf den höchsten Stand seit 1994 gestiegen. Laut einer Analyse des Wirtschaftsinformationsdienstes Dun & Bradstreet wurden 7’496 Unternehmensinsolvenzen registriert. Das sind 54,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für Unternehmer ist die Entwicklung vor allem ein Warnsignal für das eigene Forderungs-, Lieferanten- und Liquiditätsmanagement.


7’496 Firmenkonkurse in sechs Monaten


Rechnerisch waren im ersten Halbjahr täglich rund 41 Unternehmen von einem Insolvenzverfahren betroffen. Setzt sich das Tempo fort, könnte die Zahl im Gesamtjahr laut Dun & Bradstreet rund 15’000 Fälle erreichen. Im Vorjahr waren es knapp 11’900.


Die Entwicklung betrifft fast die ganze Schweiz. In 25 von 26 Kantonen nahmen die Firmenkonkurse zu. Nur der Kanton Schwyz verzeichnete einen Rückgang. Die meisten Fälle entfielen auf Zürich mit 1’261, Genf mit 788 und Waadt mit 717 Insolvenzen.


Auch auf Branchenebene ist der Anstieg breit abgestützt. Die meisten Fälle meldete das Handwerk mit 1’053 Insolvenzen, gefolgt vom Gastgewerbe mit 770 und dem Einzelhandel mit 626 Fällen. Prozentual besonders stark stiegen die Fallzahlen im Druck- und Verlagsgewerbe, im Versorgungswesen und im Transport.


Warum die Zahlen nicht direkt vergleichbar sind


Der Sprung ist nicht allein mit einer schwächeren Wirtschaftslage zu erklären. Seit dem 1. Januar 2025 gelten schärfere Regeln im Schweizer Konkursrecht. Öffentlich-rechtliche Forderungen gegen im Handelsregister eingetragene Schuldner werden seither grundsätzlich nicht mehr über eine Pfändung, sondern über eine Konkursbetreibung durchgesetzt.


Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit nennt ausdrücklich Steuern und Abgaben als betroffene Forderungen. Das Bundesamt für Justiz hatte die Änderung als Teil der Massnahmen gegen missbräuchliche Konkurse auf den 1. Januar 2025 in Kraft gesetzt.


Dadurch werden heute Verfahren eröffnet, die unter dem früheren Recht teilweise nicht in einem Konkurs geendet hätten. Dun & Bradstreet weist deshalb darauf hin, dass die aktuellen Werte nur eingeschränkt mit früheren Jahren vergleichbar sind.


Das relativiert die Steigerung, macht sie für Unternehmen aber nicht belanglos. Offene Steuern, Sozialversicherungsbeiträge und andere öffentlich-rechtliche Forderungen können schneller existenzbedrohend werden. Gleichzeitig belasten hohe Finanzierungskosten und eine schwächere Nachfrage weiterhin Teile von Handel, Gastgewerbe und weiteren Branchen.


Warum etablierte Unternehmen besonders auffallen


Auffällig ist das Alter der betroffenen Firmen. Am stärksten betroffen waren Unternehmen mit mehr als zehn Jahren Marktpräsenz, gefolgt von Betrieben, die seit fünf bis zehn Jahren bestehen.


Lange Marktpräsenz schützt damit nicht automatisch vor Liquiditätsproblemen. Ein etabliertes Geschäftsmodell kann über Jahre funktionieren und trotzdem verletzlich werden, wenn Margen sinken, Forderungen später bezahlt werden, Kredite teurer werden oder Steuer- und Sozialversicherungsschulden auflaufen.


Für Geschäftspartner bedeutet das: Ein bekannter Name oder eine langjährige Kundenbeziehung ersetzt keine aktuelle Bonitäts- und Zahlungsprüfung.


Was Unternehmer jetzt konkret prüfen sollten


1. Offene Forderungen enger überwachen


Prüfe nicht nur den Gesamtbestand, sondern auch die Altersstruktur Deiner Debitoren. Steigt der Anteil überfälliger Rechnungen, sollten Mahnprozesse früher greifen. Bei grösseren Aufträgen können Anzahlungen, Teilrechnungen oder kürzere Zahlungsziele das Ausfallrisiko reduzieren.


2. Kreditlimiten nicht aus Gewohnheit verlängern


Zahlungsbedingungen sollten zur aktuellen Bonität und zum Auftragsvolumen passen. Das gilt auch für langjährige Kunden. Wenn sich Zahlungsverhalten, Eigentümerstruktur oder Betreibungsstatus verändern, gehört die Kreditlimite neu beurteilt.


3. Lieferantenabhängigkeiten sichtbar machen


Der Ausfall eines wichtigen Lieferanten kann Produktion, Kundenprojekte und Umsatz sofort treffen. Identifiziere kritische Materialien und Dienstleistungen, prüfe Alternativen und kläre, wie lange Deine Lagerbestände bei einem Lieferstopp reichen.


4. Steuern und Sozialversicherungen priorisieren


Die neue Rechtslage erhöht die Konsequenzen offener öffentlich-rechtlicher Forderungen. Unternehmen mit Engpässen sollten nicht warten, bis ein Verfahren eskaliert. Das BAZG empfiehlt betroffenen Schuldnern beispielsweise eine frühzeitige Kontaktaufnahme, damit in begründeten Fällen eine Ratenzahlung geprüft werden kann. Je nach Forderung ist die zuständige Behörde oder Ausgleichskasse direkt anzusprechen.


5. Liquidität rollierend planen


Eine Monats- oder Quartalssicht reicht bei knappen Reserven oft nicht. Eine rollierende Planung für die kommenden 13 Wochen zeigt früher, wann Löhne, Sozialversicherungen, Steuern, Mieten und Lieferantenrechnungen gleichzeitig fällig werden. Entscheidend ist nicht nur der erwartete Umsatz, sondern der tatsächliche Zahlungseingang.


Das Rekordhoch ist ein Risikosignal, keine reine Krisenzahl


Die 7’496 Firmenkonkurse zeigen eine aussergewöhnliche Marktbereinigung. Ein erheblicher Teil des Anstiegs ist regulatorisch bedingt. Gleichzeitig macht das neue Recht finanzielle Schwächen sichtbar, die zuvor länger verdeckt bleiben konnten.


Für Unternehmer ist deshalb weniger die Schlagzeile entscheidend als die operative Reaktion: Zahlungsrisiken früher erkennen, Abhängigkeiten reduzieren und Liquidität so planen, dass offene Forderungen der öffentlichen Hand gar nicht erst zum existenziellen Problem werden.

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