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WEKO ermittelt gegen Google: Warum die Android-Standardsuche für den Wettbewerb entscheidend ist

  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit
WEKO ermittelt gegen Google
WEKO ermittelt gegen Google

Schweizer Wettbewerbshüter nehmen Google ins Visier

Das Sekretariat der Wettbewerbskommission hat am 14. Juli 2026 eine Vorabklärung gegen Google eröffnet.


Untersucht wird, weshalb Google die Funktion «Choice Screen» bei der Einrichtung neuer Android-Geräte in der Schweiz abgeschafft hat. Mit dieser Funktion konnten Nutzer bisher auswählen, welche Suchmaschine auf ihrem Gerät als Standard verwendet wird. Seit der Abschaffung wird in der Schweiz Google Search automatisch voreingestellt. Im Europäischen Wirtschaftsraum bleibt der Auswahlbildschirm dagegen weiterhin verfügbar.


Die WEKO will nun klären, ob dadurch der Wettbewerb unzulässig eingeschränkt wird.



Warum Standardeinstellungen wirtschaftlich so wichtig sind

Eine Standardsuchmaschine klingt zunächst nach einer technischen Einstellung.

In digitalen Märkten können solche Voreinstellungen jedoch über Milliarden von Suchanfragen, Werbeeinnahmen und Kundenkontakten entscheiden.

Die meisten Nutzer verändern Standardeinstellungen nicht aktiv. Wer bei der ersten Einrichtung bereits voreingestellt ist, erhält dadurch einen enormen Vorteil.


Genau deshalb schreibt die WEKO, dass die Abschaffung des Auswahlbildschirms die Sichtbarkeit konkurrierender Suchmaschinen einschränken und deren Markteintritt erschweren könnte.


Was die Vorabklärung bedeutet

Eine Vorabklärung ist noch keine Feststellung, dass Google gegen das Schweizer Kartellrecht verstossen hat. Sie dient dazu, zu prüfen, ob genügend Anhaltspunkte für eine unzulässige Wettbewerbsbeschränkung vorliegen. Ergibt die Prüfung einen begründeten Verdacht, könnte die WEKO später eine formelle Untersuchung eröffnen.

Das Verfahren befindet sich deshalb noch in einer frühen Phase.


Google erklärte gegenüber Reuters, mit den Schweizer Behörden zusammenarbeiten zu wollen.


Der europäische Kontext erhöht den Druck

Die Schweizer Vorabklärung kommt nur wenige Tage nach einem bedeutenden europäischen Gerichtsurteil.


Der Gerichtshof der Europäischen Union bestätigte am 2. Juli 2026 eine Wettbewerbsbusse von rund 4,1 Milliarden Euro gegen Google im Zusammenhang mit dessen Android-Geschäftsmodell.


Das Gericht bestätigte im Wesentlichen die Einschätzung, dass Google seine marktbeherrschende Stellung genutzt habe, um die eigene Suchmaschine über Android zu bevorzugen. Das Schweizer Verfahren betrifft zwar eine andere konkrete Massnahme und basiert auf Schweizer Wettbewerbsrecht.


Der europäische Entscheid zeigt jedoch, wie sensibel Behörden auf die Verbindung zwischen Betriebssystem, Voreinstellungen und Suchmaschinenwettbewerb reagieren.


Warum das für Schweizer Unternehmen relevant ist

Google Search ist für viele Schweizer Unternehmen einer der wichtigsten Zugänge zu Kunden.


Suchmaschinenoptimierung, Google Ads, lokale Suchergebnisse und Produktanzeigen entscheiden häufig darüber, welches Unternehmen sichtbar wird.

Wenn ein einzelner Anbieter gleichzeitig das mobile Betriebssystem, den Browser, die Suchmaschine und wichtige Werbeplattformen kontrolliert, entsteht eine grosse wirtschaftliche Abhängigkeit.


Was du als Unternehmer daraus lernen kannst


1. Deine Sichtbarkeit darf nicht von einem einzigen Kanal abhängen

Viele Unternehmen beziehen den grössten Teil ihrer Websitebesucher über Google.

Das funktioniert, solange Regeln, Rankings und Werbekosten stabil bleiben.

Eine echte Strategie braucht zusätzliche Kanäle:

  • direkte Kundenbeziehungen

  • E-Mail-Verteiler

  • Empfehlungen

  • Social Media

  • Partnerschaften

  • Markenbekanntheit

  • eigene Community


2. Voreinstellungen sind ein mächtiges Geschäftsmodell

Google zeigt, wie wertvoll es ist, im Alltag des Kunden als Standard gesetzt zu sein.

Auch KMU können daraus lernen.

Wer sich als bevorzugter Lieferant, feste Softwarelösung oder dauerhafter Partner etabliert, muss nicht bei jedem Kauf erneut um Aufmerksamkeit kämpfen.


3. Plattformrisiken gehören in die Geschäftsstrategie

Unternehmen, die von Google, Meta, Amazon, Apple oder anderen Plattformen abhängig sind, sollten diese Abhängigkeit messen.

Entscheidende Fragen sind:

  • Wie viel Umsatz stammt aus einem einzelnen Kanal?

  • Was passiert bei einer Sperrung oder Algorithmusänderung?

  • Welche Kundendaten besitzt du selbst?

  • Kannst du deine Kunden direkt erreichen?


4. Regulierung kann Märkte neu verteilen

Wenn Behörden Google zu mehr Auswahl verpflichten, könnten alternative Suchmaschinen sichtbarer werden.

Dadurch entstehen möglicherweise neue Werbe-, Suchmaschinenoptimierungs- und Vertriebskanäle.

Unternehmen sollten solche Veränderungen nicht erst beobachten, wenn die Konkurrenz bereits dort aktiv ist.


Einordnung für den Schweizer Digitalmarkt

Die Schweiz verfügt im Vergleich zur EU über weniger umfassende Regeln zur direkten Kontrolle grosser digitaler Plattformen.

Die WEKO greift deshalb im konkreten Fall auf das bestehende Wettbewerbsrecht zurück.


Der Fall zeigt, dass Schweizer Behörden bereit sind, auch bei globalen Technologiekonzernen genauer hinzusehen, wenn Schweizer Nutzer oder Unternehmen anders behandelt werden als jene im Europäischen Wirtschaftsraum.

Für digitale Anbieter und Werbetreibende könnte das langfristig zu mehr Auswahl führen.


Gleichzeitig ist offen, ob die Vorabklärung tatsächlich in ein formelles Verfahren oder konkrete Massnahmen mündet.


Fazit

Die WEKO-Vorabklärung gegen Google ist mehr als eine technische Auseinandersetzung um eine Smartphone-Einstellung.

Sie betrifft eine zentrale Frage der digitalen Wirtschaft:

Wer entscheidet, über welchen Zugang Nutzer Informationen, Produkte und Unternehmen finden?


Google wurde auf neuen Android-Geräten in der Schweiz automatisch als Standardsuchmaschine gesetzt, während Nutzer im Europäischen Wirtschaftsraum weiterhin auswählen können.


Ob dies gegen Schweizer Wettbewerbsrecht verstösst, ist noch offen.

Für Unternehmer ist die strategische Lektion jedoch bereits klar:

Baue dein Geschäft nie so auf, dass eine einzige Plattform über deine gesamte Sichtbarkeit und deinen Kundenzugang entscheidet.

 
 
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