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Jennifer Schumacher: Führung beginnt dort, wo Menschen sich verstanden fühlen

vor 23 Stunden
5 Min. Lesezeit
Foto: Christian Krebs  / Jennifer Schuhmacher
Foto: Christian Krebs / Jennifer Schuhmacher

Warum Jennifer Schumacher überzeugt ist, dass Menschlichkeit kein Soft Skill ist, sondern die Grundlage für Vertrauen, Verantwortung und nachhaltigen Unternehmenserfolg.


Unternehmen investieren jedes Jahr viel Geld in Führungsausbildungen, Feedbackgespräche und Mitarbeiterentwicklung. Trotzdem verlassen Mitarbeitende ihre Arbeitgeber, verlieren ihre Motivation oder kündigen innerlich. Das Problem liegt oft nicht in fehlenden Prozessen, sondern in der Art, wie Führung gelebt wird.

Jennifer Schumacher kennt diese Herausforderung nicht nur aus der Beratung, sondern auch aus ihrer täglichen Arbeit als HR-Leiterin und betriebliche Mentorin der LU Sicherheitsdienst AG.


Dort gestaltet sie gemeinsam mit ihrem Team eine Unternehmenskultur, die bewusst auf Vertrauen, Wertschätzung und persönliche Entwicklung setzt. Gleichzeitig begleitet sie mit Shift & Share weitere Unternehmen dabei, Führung neu zu denken. Gute Führung beginnt ihrer Überzeugung nach nicht mit Anweisungen oder Kontrolle, sondern mit einer einfachen Fähigkeit: Menschen wirklich verstehen zu wollen.


«Viele hören zu, um antworten zu können. Gute Führung beginnt dort, wo wir zuhören, um zu verstehen», sagt Schumacher.

Warum Fachkompetenz allein nicht mehr genügt

Viele Führungskräfte wurden aufgrund ihrer fachlichen Leistung befördert. Sie kennen ihre Branche, treffen Entscheidungen und übernehmen Verantwortung. Doch sobald sie Menschen führen, gelten andere Spielregeln.


Mitarbeitende erwarten heute nicht nur Kompetenz, sondern Orientierung, Vertrauen und eine Unternehmenskultur, in der sie sich ernst genommen fühlen.


Schumacher beobachtet, dass Konflikte häufig nicht entstehen, weil Mitarbeitende unterschiedlicher Meinung sind. Sie entstehen, weil Menschen sich nicht gehört fühlen.

Wer sich nicht verstanden fühlt, zieht sich zurück. Ideen werden nicht mehr eingebracht, Verantwortung wird abgegeben und Motivation verschwindet schleichend.


Die grösste Stärke einer Führungskraft ist Präsenz

Nach Schumachers Verständnis beginnt Führung lange bevor Entscheidungen getroffen werden. Sie zeigt sich in kleinen Momenten des Alltags.

Wie aufmerksam wird zugehört?

Welche Fragen werden gestellt?

Wie wird mit Unsicherheit oder Fehlern umgegangen?

Gerade diese Situationen entscheiden darüber, ob Vertrauen wächst oder verloren geht.


«Menschen erinnern sich selten an jede Entscheidung. Sie erinnern sich aber sehr genau daran, wie sie sich in einem Gespräch gefühlt haben.»

Eine Erfahrung, die sie bis heute prägt

Eine Erfahrung hat Jennifer Schumacher besonders geprägt. An ihrem letzten Arbeitstag bei ihrem damaligen Arbeitgeber wartete sie nach einer langen Schicht auf ihr Austrittsgespräch. Nach fünf Jahren im Unternehmen war ihr ein gemeinsamer Abschluss wichtig. Als ihre Vorgesetzte schliesslich erschien, fiel jedoch nur ein Satz:


«Sorry, für dich habe ich jetzt keine Zeit.»

Schumacher sagt, in diesem Moment sei es nicht um das Gespräch selbst gegangen. Es sei vielmehr das Gefühl gewesen, dass fünf Jahre Einsatz, Loyalität und Engagement plötzlich keine Bedeutung mehr hatten.


«Ich fühlte mich nicht gesehen.»

Rückblickend war genau diese Erfahrung einer der Gründe, weshalb sie Führung heute anders versteht. Wertschätzung beginnt ihrer Ansicht nach nicht bei grossen Gesten, sondern in den kleinen Momenten, in denen Menschen spüren, dass sie wichtig sind.


«Damals wusste ich: So möchte ich Menschen nie begegnen.»

Führung ist keine Position

Ein weitverbreiteter Irrtum besteht darin, Führung mit Hierarchie gleichzusetzen.

Für Schumacher entsteht Führung nicht durch einen Titel, sondern durch Wirkung.

Auch Mitarbeitende ohne Personalverantwortung können Teams positiv beeinflussen. Ebenso können Geschäftsführer ihre Position innehaben, ohne tatsächlich Orientierung zu geben.


Wer Verantwortung übernimmt, Klarheit schafft und Vertrauen aufbaut, übernimmt Führung – unabhängig von seiner Funktion.


Wie sich diese Haltung im Alltag auswirkt, erlebt Schumacher bei der LU Sicherheitsdienst AG. Vertrauen soll dort nicht nur ein Wert auf dem Papier sein, sondern sich im täglichen Miteinander zeigen. Mitarbeitende erhalten Raum für persönliche Entwicklung, regelmässige Gespräche und eine Führungskultur, die den Menschen genauso ernst nimmt wie die Leistung.


Immer wieder erhält das Unternehmen von Mitarbeitenden und Kunden die Rückmeldung, zu den menschlichsten Unternehmen der Branche zu gehören. Für Schumacher ist das keine Auszeichnung, sondern die Bestätigung, dass sich Menschlichkeit bewusst gestalten lässt.


Psychologische Sicherheit entscheidet über Leistung

Viele Unternehmen wünschen sich Eigenverantwortung, Innovation und offene Kommunikation. Gleichzeitig herrscht in vielen Teams die Angst, Fehler zu machen oder unangenehme Themen anzusprechen.


Schumacher sieht darin einen zentralen Widerspruch.

Menschen entwickeln ihr Potenzial erst dann vollständig, wenn sie sich sicher fühlen, Fragen stellen dürfen und ihre Meinung äussern können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.


Psychologische Sicherheit entsteht jedoch nicht von allein. Sie muss bewusst gefördert werden. Bei der LU Sicherheitsdienst AG setzt Schumacher unter anderem auf betriebliches Mentoring, das Mitarbeitenden einen geschützten Raum für persönliche und berufliche Herausforderungen bietet.


Ebenso werden Mitarbeitergespräche bewusst genutzt, um nicht nur Ziele und Leistung, sondern auch Werte, Zusammenarbeit und persönliche Entwicklung zu thematisieren. Ergänzt wird dieser Ansatz durch regelmässige Reflexionsformate, welche den offenen Austausch fördern und Vertrauen nachhaltig stärken.


Ein weiterer Bestandteil dieser Führungskultur ist das Arbeitszeugnis 2.0. Neben Aufgaben und Leistungen werden dabei auch Zusammenarbeit, gelebte Werte und persönliche Entwicklung sichtbar gemacht. Dadurch entsteht eine Kultur, in der nicht nur Ergebnisse zählen, sondern auch der Mensch hinter der Funktion.


Psychologische Sicherheit ist deshalb kein «weicher Faktor», sondern eine wirtschaftliche Grundlage für leistungsfähige Teams.


Konflikte sind selten das eigentliche Problem

Wenn Konflikte eskalieren, konzentrieren sich Unternehmen oft auf das sichtbare Verhalten.

Nach Schumachers Erfahrung liegt die eigentliche Ursache jedoch häufig darunter.

Unausgesprochene Erwartungen, fehlende Kommunikation oder unterschiedliche Bedürfnisse bleiben lange unbemerkt und werden erst sichtbar, wenn die Situation bereits eskaliert.


Wer Konflikte früh erkennt und Gespräche rechtzeitig führt, verhindert häufig, dass kleine Missverständnisse zu grossen Problemen werden.


Führung beginnt immer bei sich selbst

Wer andere führen möchte, sollte zuerst sich selbst verstehen.

Die eigenen Werte, Überzeugungen und Verhaltensmuster beeinflussen jede Entscheidung und jede Kommunikation.

Schumacher erlebt immer wieder, dass persönliche Entwicklung unmittelbar zu besserer Führung führt. Nicht weil Führungskräfte neue Methoden lernen, sondern weil sie bewusster handeln.


Foto: Christian Krebs  / Jennifer Schuhmacher
Foto: Christian Krebs / Jennifer Schuhmacher

Die Zukunft gehört menschlicher Führung

Künstliche Intelligenz automatisiert Prozesse, analysiert Daten und übernimmt immer mehr Routineaufgaben. Dadurch wird eine Fähigkeit noch wertvoller, die keine Technologie ersetzen kann: echte zwischenmenschliche Verbindung.

Empathie, Vertrauen und ehrliche Kommunikation werden für Unternehmen zunehmend zum Wettbewerbsvorteil.


Jennifer Schumacher ist überzeugt, dass sich die Zukunft erfolgreicher Unternehmen nicht allein durch Technologien oder Strategien entscheidet. Sie entscheidet sich dort, wo Menschen bereit sind, Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen.

Der Weg dorthin beginnt ihrer Ansicht nach nicht mit grossen Veränderungsprojekten. Es sind oft kleine, konsequente Schritte im Führungsalltag, die langfristig den Unterschied machen.


Wer zuhört, Vertrauen aufbaut und bewusst Räume für offene Gespräche eröffnet, legt die Grundlage für eine Unternehmenskultur, in der Menschen Verantwortung übernehmen und ihr Potenzial entfalten können.


Für Schumacher ist die LU Sicherheitsdienst AG ein Beispiel dafür, dass Menschlichkeit und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sind. Im Gegenteil: Eine Führungskultur, die Vertrauen, Verantwortung und persönliche Entwicklung bewusst fördert, stärkt nicht nur die Mitarbeitenden, sondern langfristig auch den Unternehmenserfolg.

Jennifer Schumacher ist HR-Leiterin und betriebliche Mentorin bei der LU Sicherheitsdienst AG sowie Gründerin von Shift & Share.


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