top of page

Gabriel Oldham aka Gman: Warum Reichweite Verantwortung bedeutet

vor 11 Minuten
5 Min. Lesezeit
Gabriel Oldham aka Gman
Gabriel Oldham aka Gman

Vom Fernsehmoderator zum Creator – und warum Gabriel Oldham aka Gman heute bewusst auf Reichweite verzichtet

Vor einigen Jahren wurden Influencer von vielen Unternehmen und Medienhäusern noch belächelt. Sie galten als kurzfristiges Phänomen, das kaum mit klassischen Medien vergleichbar sei. Heute investieren Unternehmen jedes Jahr Millionen in Social Media. Gleichzeitig wächst die Kritik. Immer mehr Menschen werfen Influencern Oberflächlichkeit, Selbstinszenierung oder fehlende Verantwortung vor.

Für Gabriel Oldham, vielen besser bekannt als Gman, greift diese Diskussion jedoch zu kurz. Der Moderator, Schauspieler und Content Creator ist überzeugt, dass nicht die Reichweite das Problem ist, sondern die Art, wie sie genutzt wird.

«Reichweite war für mich nie ein Selbstzweck. Sie ist ein Werkzeug. Die entscheidende Frage ist, was man daraus macht.»

Vom Fernsehen in die Welt der sozialen Medien

Diese Haltung entstand nicht erst mit Social Media. Gman steht seit fast drei Jahrzehnten vor Kameras. Bereits als Jugendlicher sammelte er erste Erfahrungen im Fernsehen und arbeitete später viele Jahre als Moderator für verschiedene Formate. Er war unter anderem für Formate auf Nickelodeon sowie die Jugendsendung «SMS Galaxy» auf SRF vor der Kamera. Später wirkte er bei «Sport aktuell», «Sportpanorama» und dem Schweizer Sportfernsehen mit. Auch als Schauspieler war er in der erfolgreichen Schweizer Fernsehserie «Tschugger» zu sehen. Egal ob Kind oder Erwachsener: Jeder hat ihn schon einmal im TV gesehen. Als Instagram, Facebook und später TikTok immer wichtiger wurden, erlebte er den Wandel der Medienwelt aus nächster Nähe.

Während früher Fernsehmoderatoren oder Miss-Schweiz-Siegerinnen automatisch zu bekannten Persönlichkeiten wurden, veränderte Social Media die Spielregeln grundlegend. Aufmerksamkeit entstand plötzlich nicht mehr nur über klassische Medien, sondern direkt über die eigene Community.


Warum Gman seine eigene Reichweite aufbaute

«Man hat gemerkt, dass plötzlich Menschen relevant wurden, weil sie auf Social Media eine grosse Reichweite hatten», erinnert sich Gman. «Das war kein abrupter Wechsel, sondern ein schleichender Prozess.»

Für Gman hatte dieser Wandel jedoch noch eine andere Konsequenz. Immer häufiger gingen Moderationsaufträge an Personen, die bereits auf Social Media eine grosse Reichweite aufgebaut hatten. Nicht zwingend, weil sie besser moderieren konnten, sondern weil Sender und Unternehmen hofften, ihre Community würde automatisch auch Zuschauer bringen.


Für ihn war schnell klar, dass sich die Medienwelt verändert hatte. Statt dagegen anzukämpfen, entschied er sich, selbst eine Community aufzubauen. Allerdings nicht mit dem Ziel, möglichst viele Follower zu sammeln, sondern um Menschen zu erreichen.

Genau darin sieht Gman bis heute den grössten Unterschied zwischen erfolgreichem Content und nachhaltiger Wirkung. Reichweite allein bedeute noch keinen Einfluss. Erst wenn Menschen Vertrauen aufbauen, entstehe echte Wirkung.


Was auf Social Media wirklich funktioniert

Diese Überzeugung begleitet ihn bis heute. Immer wieder beobachtet Gman, dass Unternehmen Social Media vor allem als Verkaufskanal betrachten.

«Wenn jemand nur auf Social Media ist und ständig etwas verkaufen will, funktioniert das selten. Menschen wollen zuerst unterhalten, inspiriert oder informiert werden. Erst wenn du über längere Zeit Mehrwert gibst, entsteht überhaupt Vertrauen.»

Einen festen Erfolgsplan für Social Media sieht Gman trotzdem nicht. Aus seiner Sicht gibt es keinen Blueprint, der bei jedem funktioniert. Viel wichtiger sei es, Formate zu finden, die zur eigenen Persönlichkeit passen, und der Community zuzuhören.


«Wenn der Algorithmus dir zeigt, dass etwas funktioniert, musst du es wieder machen. Gleichzeitig musst du aber auch verstehen, was deine Community sehen möchte.»

Reichweite braucht Verantwortung

Gerade deshalb lehnt Gman Kooperationen ab, die zwar finanziell attraktiv wären, aber nicht zu seinen Werten passen. Werbung für Casinos, Tabak oder ähnliche Angebote kommt für ihn nicht infrage – unabhängig von der Höhe des Honorars.

Lieber arbeitet er mit Partnern zusammen, bei denen er das Gefühl hat, tatsächlich etwas Positives bewegen zu können.


Besonders deutlich wurde diese Haltung bei einem Projekt, das seinen eigenen Kanal nachhaltig veränderte.


Über längere Zeit verschenkte Gman regelmässig Produkte an seine Community. Die Reichweite stieg, die Videos erzielten hohe Aufrufzahlen und immer mehr Unternehmen wurden auf ihn aufmerksam. Doch mit der Zeit fiel ihm auf, dass viele Menschen nur noch den Gewinn sahen.


«Ich habe jemandem einen E-Scooter geschenkt und direkt danach wurde ich gefragt, ob ich nicht noch 50 Franken dazugeben könne», erzählt Gman. «Da habe ich gemerkt, dass Dankbarkeit immer mehr verloren geht und vieles selbstverständlich geworden ist.»

Statt das erfolgreiche Konzept weiter auszubauen, entschied er sich für einen anderen Weg.


Seit Mai 2026 engagiert sich Gman als Botschafter des E-Scooter-Checks. Gemeinsam mit dem Nothelfer am Bahnhof und dem Fonds für Verkehrssicherheit setzt er sich für mehr Prävention im Bereich der E-Mobilität ein. Wer am E-Scooter-Check teilnimmt, setzt sich mit Themen wie Verkehrssicherheit, Helmtragen und dem richtigen Verhalten im Strassenverkehr auseinander. Die Reichweite ging dadurch zwar zurück. Viele wollten lieber möglichst schnell etwas gewinnen, als sich zwanzig Minuten Zeit für Prävention zu nehmen.


Für Gman war genau das die richtige Entscheidung.


«Wirkung ist mir wichtiger als Wachstum.»

Dieser Satz beschreibt vermutlich besser als jeder andere seinen Umgang mit Social Media. Dass ihn diese Haltung Reichweite kosten kann, nimmt er bewusst in Kauf. Denn langfristig möchte er nicht dafür bekannt sein, möglichst viele Klicks gesammelt zu haben. Er möchte in Erinnerung bleiben als jemand, der seine Aufmerksamkeit sinnvoll eingesetzt hat.


Warum Menschlichkeit wichtiger wird

Dabei spielt auch seine eigene Geschichte eine wichtige Rolle.

Gman spricht offen darüber, dass ihn Mobbing und Ausgrenzung in jungen Jahren stark geprägt haben. Gerade deshalb entstand früh der Wunsch, Schulen zu besuchen und mit Jugendlichen über Respekt, Selbstvertrauen und den Umgang miteinander zu sprechen. Aus dieser Idee entwickelten sich später Videos vor Schulhäusern – zunächst als Experiment, später als eines seiner bekanntesten Formate.


Der Algorithmus zeigte ihm schnell, welche Inhalte funktionierten. Doch anstatt die Reichweite ausschliesslich für Unterhaltung zu nutzen, versuchte Gman immer wieder, einen grösseren Sinn dahinter zu schaffen.


Heute erreichen seine Inhalte längst nicht nur Jugendliche. Seine Community verteilt sich nahezu gleichmässig über verschiedene Altersgruppen. Genau deshalb sieht er seine Aufgabe auch nicht darin, einer bestimmten Generation zu gefallen.


«Ich begegne Menschen auf Augenhöhe. Ob Jugendliche oder Erwachsene – jeder möchte ernst genommen werden.»

Auch für Unternehmen hat Gman eine klare Botschaft.

Social Media sei längst keine Spielerei mehr. Wer heute noch glaube, Reichweite entstehe zufällig oder lasse sich ausschliesslich über Followerzahlen beurteilen, denke zu kurz.


Viel wichtiger sei die Frage, ob ein Creator wirklich zur eigenen Marke passe. Unternehmen sollten deshalb nicht nur Kennzahlen vergleichen, sondern den Menschen hinter dem Profil kennenlernen.


«Die beste Zusammenarbeit entsteht dann, wenn beide dieselben Werte teilen.»

Mit Blick auf die Zukunft rechnet Gman damit, dass künstliche Intelligenz die Medienwelt weiter verändern wird. Automatisch produzierte Inhalte werden zunehmen, Plattformen werden sich verändern und neue Trends werden entstehen. Gerade deshalb glaubt er jedoch, dass ein Faktor immer wichtiger wird. Menschlichkeit.

Je mehr Inhalte automatisiert werden, desto grösser wird das Bedürfnis nach echten Persönlichkeiten, echten Geschichten und echten Begegnungen.

Für Gman ist genau das die eigentliche Zukunft von Social Media.

Nicht Perfektion. Nicht Algorithmen. Nicht Reichweite. Sondern Vertrauen.

Vielleicht beschreibt deshalb ein Satz seine Haltung besser als jede Followerzahl:

Für Gabriel Oldham aka Gman war Reichweite nie das eigentliche Ziel. Entscheidend ist für ihn, sie sinnvoll zu nutzen.

E-Paper: Den vollständigen Beitrag und weitere Inhalte findest du im E-Paper des Entscheider Magazins. Hier E-Paper öffnen

 
 
bottom of page