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Fabian Lauterwasser: Warum Millionenvermögen manchmal in eine Hand passen

vor 9 Minuten
4 Min. Lesezeit


Fabian Lauterwasser erklärt, weshalb Edelsteine seit Jahrhunderten weit mehr sind als luxuriöser Schmuck

Wer an Edelsteine denkt, denkt meist an Verlobungsringe, luxuriösen Schmuck oder funkelnde Auslagen beim Juwelier. Dass Rubine, Saphire oder Smaragde seit Jahrhunderten auch als eigenständige Vermögenswerte gehandelt werden, wissen hingegen nur wenige.


Genau dieser Perspektivenwechsel ist Fabian Lauterwasser wichtig. Nicht, um Menschen von einem Investment zu überzeugen, sondern um einen Markt verständlicher zu machen, der ausserhalb spezialisierter Kreise kaum bekannt ist.


Der gelernte Investmentbanker und Geschäftsführer von Carat Investments beschäftigt sich seit Jahren mit dem internationalen Edelsteinhandel. Seine Sicht auf Edelsteine unterscheidet sich dabei deutlich von jener klassischer Gemmologen. Während viele zuerst die Schönheit eines Steins betrachten, begann Lauterwasser mit ganz anderen Fragen: Wie entsteht der Wert? Weshalb sind manche Steine mehrere Millionen Franken wert? Und warum weiss die Öffentlichkeit so wenig über diesen Markt?


Der Edelstein fand ihn – nicht umgekehrt

Dass Lauterwasser heute in der Edelsteinbranche tätig ist, war ursprünglich nicht geplant. Im Gegenteil. Er selbst sagt, der Edelstein habe ihn gefunden – und nicht umgekehrt.


Über ein traditionsreiches Family Office in Süddeutschland entstand der Kontakt zu einem Edelsteinhandel, dessen Geschichte rund 280 Jahre zurückreicht. Weil innerhalb der Unternehmerfamilie niemand den Handel weiterführen wollte, entwickelte sich die Idee, dieses Wissen in der Schweiz fortzuführen.


Für Lauterwasser begann damit jedoch keine Reise als Sammler, sondern als Investmentbanker. Er stellte sich dieselben Fragen, die sich viele Unternehmer oder Anleger stellen würden. Wie funktioniert dieser Markt? Wie entstehen Preise? Wie lässt sich Qualität beurteilen? Und weshalb gibt es so wenig öffentlich zugängliche Informationen?


Gerade letzteres überraschte ihn besonders. «Mich hat fasziniert, wie wenig Transparenz dieser Markt nach aussen bietet. Dabei ist vieles deutlich einfacher zu verstehen, als die meisten vermuten», sagt Lauterwasser.


Der grösste Denkfehler beginnt bereits beim ersten Gedanken

Spricht man über Edelsteine, fällt in Europa fast automatisch ein Begriff: Diamant.

Für Lauterwasser ist genau das einer der häufigsten Denkfehler. Im professionellen Edelsteinhandel stehen häufig ganz andere Steine im Mittelpunkt. Besonders hochwertige Rubine, Saphire oder Smaragde spielen dort oftmals eine wesentlich grössere Rolle als klassische farblose Diamanten.


Entscheidend sei dabei nie nur die Art des Edelsteins, sondern immer das Zusammenspiel verschiedener Qualitätsmerkmale. Herkunft, Farbe, Reinheit, Transparenz, Schliff und weitere Kriterien beeinflussen gemeinsam den Wert eines Steins. Erst wenn diese Faktoren optimal zusammenspielen, sprechen Experten von aussergewöhnlicher Qualität.


Quelle: Die historischen Preisentwicklungsdaten für c/p-Edelsteine werden von GemVal bereitgestellt und sind auf dessen Website (www.gemval.com) verfügbar.
Quelle: Die historischen Preisentwicklungsdaten für c/p-Edelsteine werden von GemVal bereitgestellt und sind auf dessen Website (www.gemval.com) verfügbar.


Warum Seltenheit eine immer grössere Rolle spielt

Eine Erkenntnis hat Lauterwasser während seiner Zeit im Edelsteinhandel besonders überrascht.

Viele der hochwertigsten Edelsteine stammen aus Minen, die vor Jahrzehnten noch deutlich grössere Mengen hervorbrachten als heute. Spitzenqualitäten gelangen deshalb häufig nicht mehr direkt aus einer Mine auf den Markt, sondern wechseln über Sammler, Familien oder Erbschaften den Besitzer.


«Bei manchen Rubinen sucht man heute mehrere Jahre nach einem wirklich aussergewöhnlichen Stein», erklärt Lauterwasser.

Gerade deshalb spielt der sogenannte Sekundärmarkt eine immer wichtigere Rolle. Dort begleitet Carat Investments Verkäufer und Käufer, prüft die Echtheit der Steine und sorgt mit unabhängigen Zertifizierungen für Transparenz während einer Transaktion.


  • Silber ∼26`000 Tonnen

  • Gold ∼3`700 Tonnen

  • Diamanten ∼22 Tonnen (120 Millionen Karat)

  • Smaragde ∼6 Tonnen (30 Millionen Karat)

  • Rubine ∼0.8 Tonnen (4 Millionen Karat)

    *Bei 1 Karat =0,2g /Assetklassen Jährliche Produktionsraten 2024 weltweit


Mehr als Zahlen und Zertifikate

Trotz seines analytischen Hintergrunds hat Lauterwasser im Laufe der Jahre auch eine andere Seite der Edelsteine kennengelernt.

Jeder Stein besitzt seinen eigenen Charakter. Manche faszinieren durch ihre aussergewöhnliche Farbe, andere durch ihre Herkunft oder ihre Entstehungsgeschichte. Besonders bei Smaragden seien es oft gerade die natürlichen Einschlüsse, die einen Stein einzigartig machen.


«Mich fasziniert bis heute, wie unglaublich viel Wert in einem so kleinen Stein stecken kann», sagt Lauterwasser. «Man kann mehrere Millionen Franken in einer Hand halten. Dieses Gefühl ist schon aussergewöhnlich.»

Diese hohe Wertdichte sei etwas, das ihn bis heute beeindrucke. Vergleichbare Werte auf so kleinem Raum gebe es kaum in einer anderen Anlageklasse oder bei einem anderen Sachwert.


Zwischen Faszination und Verantwortung

Lauterwasser betont gleichzeitig, dass Edelsteine nicht für jeden Menschen dieselbe Bedeutung haben. Während sie in vielen asiatischen Ländern bis heute sichtbar getragen oder ausgestellt werden, sei der Umgang in Europa deutlich zurückhaltender geworden.


Auch deshalb gehe es ihm nicht darum, Edelsteine als bessere Alternative zu anderen Vermögenswerten darzustellen. Vielmehr möchte er Verständnis für einen Markt schaffen, der vielen Menschen bislang kaum begegnet ist.


Nach seiner Beobachtung beschäftigen sich vor allem Family Offices, vermögende Privatpersonen und professionelle Vermögensverwalter seit vielen Jahren mit diesem Markt. Welche Rolle Edelsteine innerhalb eines Vermögens spielen, hänge jedoch immer von der jeweiligen Situation und den persönlichen Zielen ab.


Fabian Lauterwasser
Fabian Lauterwasser

Vertrauen ist wichtiger als der Stein selbst

Gerade weil Edelsteine für viele Menschen Neuland sind, sieht Lauterwasser Vertrauen als entscheidenden Faktor.


Wie bei Gold oder Luxusuhren gebe es auch im Edelsteinmarkt Fälschungen und Qualitätsunterschiede. Deshalb seien unabhängige Zertifizierungen und erfahrene Fachpersonen aus seiner Sicht unverzichtbar.


Auch beim Thema Gold beobachtet er Entwicklungen, die viele überraschen würden. Durch seine tägliche Arbeit erlebt er immer wieder, dass vermeintlich echte Goldmünzen oder Goldbarren bei einer Prüfung nicht den Erwartungen entsprechen. Genau deshalb empfiehlt er grundsätzlich, bei hochwertigen Sachwerten auf Transparenz, nachvollziehbare Herkunft und unabhängige Prüfungen zu achten.


So steigst du in die Edelsteinwelt rein.

Für Lauterwasser liegt genau darin die grösste Besonderheit des Edelsteinmarktes. Obwohl Edelsteine seit Jahrhunderten gehandelt werden und die Schweiz mit Genf zu den wichtigsten internationalen Handelsplätzen gehört, haben viele Menschen kaum Berührungspunkte mit dieser Welt.


Wer sich dafür interessiert, dem empfiehlt Lauterwasser einen Besuch einer internationalen Edelsteinmesse in Genf. Dort könne man die Vielfalt des Marktes erleben, verschiedene Edelsteine aus nächster Nähe betrachten und mit Händlern, Experten und Sammlern ins Gespräch kommen. Oft entstehe erst dort ein Gefühl dafür, weshalb manche Steine für Sammler und Vermögensinhaber seit Generationen eine so grosse Bedeutung haben.


Fragen beantwortet Lauterwasser ebenfalls gerne persönlich. Nicht, um jemanden von einem Kauf zu überzeugen, sondern weil er überzeugt ist, dass dieser traditionsreiche Markt weit mehr Aufmerksamkeit verdient, als er heute erhält.


E-Paper: Den vollständigen Beitrag und weitere Inhalte findest du im E-Paper des Entscheider Magazins. Hier das ganze E-Paper lesen.


 
 
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